Samstag, 29. März 2025

In der Börsenwoche 13/2025 waren die stärksten Kurstreiber in meinem Depot nicht nur Kontron, Almonty Industries, PayPal, Blackstone und LendingClub

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung...


Diese Werte in meinem Depot verzeichneten in der vergangenen Börsenwoche die stärksten Ausschläge:

📈 Texas Pacific Land +2,6 %
📈 Hannover Rück +2,2 %
📉 Domino's Pizza -3,4 %
📉 Friedrich Vorwerk -4,0 %
📉 Apollo -4,6 %
📉 LendingClub -6,2 %
📉 Blackstone -7,4 %
📉 PayPal -7,7 %
📉 Almonty Industries -10,7 %
📉 Kontron -14,0 %

Es war eine zum Ende hin heftige Börsenwoche. Don Trump hat ab nächster Woche Strafzölle gegen die (europäische) Autoindustrie verhängt und damit seinen Wirtschaftskrieg gegen den Rest der Welt weiter eskaliert. Derweil hagelt es negative Nachrichten aus den USA seitens aller Konjunktur- und Wirtschaftsindikatoren, so dass auch die Anleger immer pessimistischer werden angesichts der nun startenden neuen Earnings Season. Dabei dürften die Ergebnisse des 1. Quartals wohl noch gar nicht so schlecht ausfallen, aber die Ausblicke der Unternehmen werden wohl ordentlich ziemlich zurückhaltend sein und sowas kommt selten gut an.

In meinem Depot gab es einen deutlichen Rücksetzer, weil der Großteil der Werte Kursverluste verbuchte. Auch und gerade die (deutschen) Gewinner der Vorwochen und erneut der von mir hoch gewichtete Finanzsektor.

Kontron verlor besonders stark, dabei waren die präsentierten Geschäftszahlen durchaus ansprechend. Die Österreicher sind ein weltweit führender Anbieter von Internet of Things (IoT) und Embedded Computer Technologie (ECT) und offerieren ein kombiniertes Portfolio aus Hardware, Software und Services in den Bereichen IoT und Industrie 4.0. Mit seinen Produkten auf Basis neuester, hoch zuverlässiger Technologien ermöglicht Kontron sichere und innovative Anwendungen für verschiedenste Branchen.

Nun wird Deutschland ein Sondervermögen von rund 500 Mrd. Euro für Infrastrukturinvestitionen einrichten. Bisher liegen die staatlichen Infrastrukturausgaben bei rund 100 Mrd. Euro pro Jahr, die sich damit in den nächsten 10 Jahren um 50 % erhöhen würden. Auf Straßen- und Schienenprojekte entfallen schätzungsweise 25 % der jährlichen staatlichen Ausgaben für die Infrastruktur in Deutschland. Kontron Transportation hält in Deutschland und Europa einen dominanten Marktanteil bei Konnektivitätsmodulen in Hochgeschwindigkeitszügen und ist der einzige europäischer Anbieter von 5G-Modulen für die 2026 beginnende Umrüstung auf den neuen Übertragungsstandard FRMCS.  Kontron Transportation peilt für 2025 einen Umsatz von über 200 Mio. Euro an mit einem Wachstum von über 30 % und einer EBITDA-Marge oberhalb von 20 %. Transportation ist Teil des Segments Software & Solutions, der über 25 % des Konzernumsatzes von Kontron ausmacht. Derzeit generiert man das Wachstum hauptsächlich aus Projektgewinnen außerhalb Deutschlands, was sich künftig ändern dürfte.

Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt ist ein vertikal integrierter Bereich bei Kontron mit einem Umsatz von 150 Mio. Euro bei einem Wachstum von über 20 % und EBITDA-Margen von über 25 %. Dabei liefert Kontron an viele der wichtigsten Akteure in Deutschland und Europa Kommunikationsmodule, die in gepanzerten Fahrzeugen, Panzern, Flugzeugen und Hubschraubern verbaut werden. Der zunehmende Fokus auf digital vernetzte Streitkräfte steigert die Anforderungen an eine sichere und störungsfreie Kommunikation enorm und der margenstarke Verteidigungsbereich sollte daher in den kommenden Jahren eine noch stärkere Nachfrage erfahren und damit ein noch größeres Gewicht im Kontron-Konzern bekommen. Doch auch in anderen Bereichen läuft es rund. Im Februar vermeldete Kontron Großaufträge von "führenden Zulieferern der Automobilbranche" über die Lieferung hochentwickelter Sensortechnologien im Volumen von 40 Mio. Euro sowie einen über mehrere Jahre verteilten Auftrag über 250 Mio. USD.

Die Zahlen für 2024 bestätigen die solide finanzielle Entwicklung, mit deutlichen Steigerungen bei Umsatz und Profitabilität - maßgeblich getrieben durch den Beitrag der kürzlich konsolidierten Katek SE. Im 4. Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 22 % auf 477 Mio. Euro, während das  operative Ergebnis (EBITDA) sogar um 67 % auf 50 Mio. Euro zulegen konnte; die EBITDA-Marge: legte im Jahresvergleich folglich um 2,9 Prozentpunkte  auf 10,6 % zu.

Der stärkere Fokus auf margenstarke Segmente wie Software und Solutions sowie erzielte operative Effizienzsteigerungen durch Straffung und Kostenoptimierung zahlen sich zunehmend aus und auch die Übernahme der Katek hält, was Kontron-CEO Niederhauser sich (und den Anlegern) davon versprochen hat. Der Auftragseingang für das Gesamtjahr war deutlich positiv, mit einem Book-to-Bill-Ratio von 1,23 und pushte den Auftragsbestand auf 2,1 Mrd. Euro.

Quelle: wallstreet-online.de
Folgerichtig bestätige Kontron seine Prognose für das Geschäftsjahr 2025 und erwartet einen Umsatzanstieg von rund 16 % auf 1,9 bis 2,0 Mrd. Euro sowie ein EBITDA-Wachstum von mindestens 15 %. Zudem dürfte Kontron von den jüngst aufgelegten Sondervermögen in den Bereichen Verteidigung und (digitale) Infrastruktur ordentlich profitieren, was sich in den Folgejahren in den Geschäftszahlen niederschlagen wird.

Meine Einschätzung: Der heftige Kurseinbruch dürfte weniger auf die vorgelegten Zahlen oder die Perspektiven zurückgehen, sondern eher Gewinnmitnahmen geschuldet sein. Immerhin hatte der Kurs in den letzten sechs Monaten von 16 auf 26 Euro massiv zugelegt und damit einiges an positiven Erwartungen schon eingepreist. Und nun wurde etwas Dampf abgelassen - was eine Chance für mittel- und langfristig orientierte Anleger bietet, die sich hier noch engagieren wollen. Und auch ich habe meine Position etwas aufgestockt.

Der Fear-and-Greed-Index ist in dieser Woche nach einer anfänglichen Erholung wieder eingebrochen und geht mit 22 Punkten sogar etwas niedriger aus der Woche; er verharrt im Bereich "extremer Angst". Solche Stressniveaus sind in der Vergangenheit eigentlich immer gute Kaufgelegenheiten gewesen, auch wenn sie Angstphasen bisweilen mal länger anhalten können.

In Zahlen: In den ersten Wochen des Jahres 2025 hat sich mein Vermögen nach den Rekordzuwächsen in 2024 erstmal um +8 % weiter sehr positiv entwickelt. Der Februar schrumpfte dann die zwischenzeitlichen Gewinne wieder fast auf Null zusammen. Nach dem heftigen Einbruch Anfang März auf -7,0 % gab es nach der Erholung der Vorwoche nun einen weiteren Einbruch um -3 % und mein 2025er Vermögenszuwachs liegt nun bei -6,5 % (YTD).

Auf welche Unternehmen ich in meinem Depot setze und mit welchen Schwerpunkten, habe ich in meinem jüngsten Investor-Update dargelegt. Und eine ausführliche Begründung für den großen Erfolg in 2024 und mein Ausblick auf 2025 bietet eine Reihe weiterer Erläuterungen.
Meine langfristige durchschnittliche Zielrendite liegt bei +15 % pro Jahr und die ersten Börsenwochen des Jahres hatten mit +8 % schon mal gut darauf eingezahlt. So hätte es gerne weitergehen können, ging es aber - natürlich - nicht. Die Börse verläuft nicht linear und auch wenn sie auf lange Sicht rund 10 % pro Jahr zulegt, tut sie dies doch unter teilweise heftigen Schwankungen. Die sollte man aushalten und sich nicht aus seinen Qualitätsaktien spülen lassen.

Dennoch sollte man immer offen bleiben für Veränderungen und seinen Investmentcase dahingehend abklopfen, ob sich gravierende Veränderungen ergeben haben. Die von Don Trump gewollte Dollarabwertung und die von der EU und Deutschland forcierten gewaltigen Investitionspakte für Rüstung und Infrastruktur sind zumindest wichtige Einflussfaktoren mit einer mittel- und ggf. langfristigen Auswirkung, die man nicht ignorieren sollte. Insbesondere die Alternativen Asset Manager dürften auch künftig gute Geschäfte machen mit hohen Mittelzuflüssen und steigenden Provisionseinnahmen, daher bleiben sie mein Investitionsschwerpunkt.

Es bleibt spannend - wie eigentlich immer an der Börse. ツ

Disclaimer: Habe die meisten der genannten Werte auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

11 Kommentare:

  1. Die Alternativen Asset Manager und gerade die BDC`s haben stark verloren ... von daher gibt es gerade bessere transparentere Alternativen als die Genannten

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    1. Das ist aus meiner Sicht kein schlüssiges Argument, denn du machst die irrationale Kursentwicklung zur Grundlage deiner Aussage. Das funktioniert nicht. Es ist die fundamentale Lage und die diesbezüglichen Perspektiven, die ein Investment gut oder schlecht machen. Und (nur) weil die Burse der BDCs und Asset Manager mal gefallen sind, haben sich die fundamentalen Aussichten nicht zwangsläufig verändert. Übrigens, auch die Chipwerte und viele andere KI-Profiteure straucheln in den letzten Wochen. Weil sich die gesamte Gemütslage an den (US-) Börsen ins negative gedreht hat.

      Aber mal nachgefragt: was sind denn deine "besseren transparenteren Alternativen", in denen du lieber investiert wärst?

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    2. Irrationale Kursentwicklung? Dann war die Kursentwicklung 2023/2024 bei den Private Equity Konzernen aber ebenso irrational. Ja die fundamentale Entwicklung war erfreulich in dynamisch, die Bewertung aber trotzdem maßlos überzogen. Reversion to the mean gilt auch dort früher oder später. Das Ziel 15% Rendite pro Jahr ist ambitioniert, ich glaube aber nicht, dass man die historische Rendite von 7-9% p.a. auf Dauer derart überbieten kann.
      PS: Mit mittlerweile 55 den Lebensgenuss nicht vergessen. Time runs fast, Life is short. Klar du bist vermutlich hauptberuflich Investor aber sich den ganzen Tag und auch am Wochenende im Kern nur mit Geld befassen?
      Der Reichste auf dem Friedhof wird am Ende auch wenig bringen.
      Wann hat man denn da Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben?

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    3. Und was sind jetzt die "besseren transparenten Alternativen"? Die suche ich auch!

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  2. Sondervermögen? Habe ich bis heute nicht verstanden. Früher nannte man das noch Schulden machen.

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  3. Die Kurse der BDC sind nicht wichtig, solange die Dividende stimmt und sich keine kritische wirtschaftliche Situation in den USA abzeichnet. Aber dabei habe ich zur Zeit Bedenken, und meine Investitionen in den USA reduziert. Trump fängt erst an und hat mehrfach gesagt, dass die Börsenkurse jetzt nicht interessieren. Ich sehe keinen Grund für mittelfristigen wirtschaftlichen Optimismus in den USA, die Vergangenheit zählt nicht mehr, der Staat wird umgebaut. In einigen Wochen oder Monaten ist die FED dran. Wenn sich ein Ende des Trends abzeichnet, dann werde ich bestimmt wieder investieren. Wobei sich die Rechtslage für Ausländer auch ändern kann. Wenn wir von steigenden Aktienkursen profitieren, ist das nicht unfair gegenüber den Amerikanern? Wir werden reich aufgrund deren harter Arbeit!

    Griechenland läuft ganz gut.

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  4. Es sind zwar erst fünf Kommentare, aber die sind ja schon wieder überragend. :D
    Der Eine will einfach nur meckern, auch wenn die Logik hinten und vorne nicht passt. Und anstatt eine produktive Diskussion zu führen und auf die Rückfrage einzugehen, wird komplett abgedriftet, weil man wahrscheinlich seit zehn Jahren komplett in Geldmarktfonds investiert ist, da seiner Meinung nach alles überbewertet ist. Und der Andere will eine Grundsatzdiskussion zu einem kleinen Nebensatz im Artikel vom Zaun brechen, weil er Schulden auf Volkswirtschaftsebene nicht verstanden hat, anstatt dieses Erstsemester-Wiwi-Wissen einfach zu googeln.
    Für das Kino muss man sonst zu Tim Schäfer gehen. :D

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    1. Haha, beste Zusammenfassung.
      @Michael: wie immer eine schöne Zusammenfassung der Börsenwoche! Beste Grüße aus Köln

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  5. In Sachen 5G und Sondervermögen sollte acon ic auch zum Zuge kommen.

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  6. Das mit Tim Schäfer war super😂😂😂

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  7. "Solche Stressniveaus sind in der Vergangenheit eigentlich immer gute Kaufgelegenheiten gewesen, auch wenn sie Angstphasen bisweilen mal länger anhalten können." Das "eigentlich" kannst du rausstreichen. Es war bisher immer eine gute Kaufgelegenheit, wenn man gute Firmen gekauft hat. Man weiß halt nicht wie lange die Kurse zurückgehen, aber ich gehe in solchen Phasen gerne auch mit Sparplänen rein.

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