Donnerstag, 25. Juli 2024

Gastartikel von Leo Nelissen zu Blackstone: Erfolgreich mit Real-Life-Monopoly

Heute präsentiere ich euch einen weiteren interessanten Gastartikel. Dieses Mal von Leo Nelissen, der auf Seeking Alpha immer wieder fundierte Artikel rund um das Investieren und aussichtsreiche Unternehmen veröffentlicht.

Daneben ist Leo alle paar Wochen montagsabends mit einem Börsenspace bei X/Twitter am Start im Team mit Max Rahn, Emil Jusifov, Lars - und seit einigen Wochen auch mit mir.

Leo hat sich eine meiner größten Depotpositionen für seine Vorstellung ausgesucht: Blackstone. Das Unternehmen hat kürzlich überzeugende Quartalszahlen vorgelegt und im Earnings Call haben Co-Gründer und CEO Stephen A. Schwarzman und COO Jon Gray wesentliche Aspekte zum Businessmodell und den weiteren Perspektiven von Blackstone dargelegt, die mehr als einen flüchtigen Blick verdienen...

Mit Blackstone Real-Life-Monopoly spielen

Von Leo Nelissen
Wenn ihr schon einmal Monopoly gespielt habt, wisst ihr vermutlich, dass es einen Punkt im Spiel gibt, an dem das Spiel de facto gelaufen ist. Sobald jemand genug Hotels gekauft hat, ist es für die anderen vorbei. In dem Moment, in dem jemand genug Cashflow hat, wird er unbesiegbar, kann alle Miet-Ansprüche abwehren und jede Immobilie kaufen, die zum Verkauf steht.

Obwohl sich die reale Welt stark vom Monopoly-Spiel unterscheidet, scheint es, als hätte Blackstone schon vor vielen Jahren herausgefunden, wie man siegt, denn das Unternehmen hat sich zur größten Private Equity-Gesellschaft der Welt entwickelt.

Ihr CEO und Co-Gründer Steven A. Schwarzman hat im vergangenen Jahr rund 900 Mio. USD an Gehalt und vor allem Dividendeneinnahmen verdient und ist einer der wichtigsten Gäste im Wirtschaftsfernsehen. Wann immer er oder Jon Gray, Blackstones Chief Operating Officer (COO), sich öffentlich äußert, hören die Leute zu. Ich kann gar nicht zählen, wie viele meiner Artikel Zitate von Jon Gray enthalten, der über hervorragende Informationen zum Thema Immobilien verfügt.

Darüber hinaus ist die Blackstone-Aktie eine großartige Quelle für Kapitalgewinne und (Dividenden-) Einkommen. Mit einer aktuellen Rendite von 2,4 % hat der Gigant in den letzten zehn Jahren eine Rendite von rund 570 % erzielt und damit den S&P 500 um fast 340 Prozentpunkte übertroffen!

Da Blackstone kürzlich seine Geschäftszahlen zum 2. Quartal 2024 veröffentlicht hat, will ich darauf basierend das Chance-Risiko-Verhältnis für die Blackstone-Aktien bewerten und erläutern, wie der PE-Gigant die Börse und die Wirtschaft einschätzt. Denn selbst für Menschen, die keine Blackstone-Aktien besitzen (wie ich), sind diese Informationen für eigene Anlagezwecke äußerst wertvoll. Lasst uns also in die Details eintauchen...

Wenn sich eine Gelegenheit bietet, steht Blackstone bereit

Blackstone, mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,1 Billionen USD (+7 % gegenüber dem Vorjahr) der weltweit größte Verwalter Alternativer Assets, ist im gegenwärtigen Wirtschaftsumfeld sehr gut unterwegs.

CEO Steven A. Schwarzman zufolge ist die Entscheidung, 1991 in den Bereich Private Equity Real Estate zu expandieren und 2008 die Kreditplattform auszubauen, ein gutes Beispiel für den Weitblick des Unternehmens. Darüber hinaus ist Blackstone seitdem in die Bereiche private Vermögensverwaltung und Infrastruktur vorgestoßen.

Nach Angaben des Unternehmens hat der Blackstone Real Estate Income Trust ('BREIT') seit Anfang 2022 eine kumulierte Rendite von 10 % netto erzielt und damit den öffentlichen REIT-Markt deutlich übertroffen. BREIT hat einen massiven Größenvorteil, da er dreimal größer ist als die fünf nächstgrößten nicht börsennotierten REITs zusammen.

In jüngster Zeit hat das Unternehmen begonnen, in die Bereiche künstliche Intelligenz, Rechenzentren und erneuerbare Energien vorzudringen - drei (in gewisser Weise verwandte) Bereiche, die alle einen erheblichen Kapitalbedarf haben und langfristig günstigen Rückenwind bieten. Und was noch besser ist: Nicht einmal das derzeitige Umfeld hoher Zinsen scheint das Unternehmen bremsen zu können, da es im 2. Quartal 34 Mrd. USD (+74 %) investiert hat und damit den höchsten Betrag seit zwei Jahren. In den letzten drei Quartalen waren es zusammen fast 90 Mrd. USD.

Im Wesentlichen setzt Blackstone auf günstiger werdende wirtschaftliche Entwicklungen, einschließlich einer weiteren Abschwächung der Inflation und Zinssenkungen seitens der US-Notenbank, was sich beides sehr positiv für den Private Equity-Riesen auswirken würde. Derzeit sieht der Markt eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit für drei Zinssenkungen in diesem Jahr, wobei zwei Zinssenkungen (nach Meinung des Marktes) fast schon eine beschlossene Sache sind.

Was die Investitionen betrifft, so umfasst Blackstones Portfolio Rechenzentren im Wert von 55 Mrd. USD und weitere 70 Mrd. USD befinden sich in der Entwicklungspipeline. QTS, sein größtes Portfoliounternehmen für Rechenzentren, hat seine Mietkapazitäten seit dem Going Private im Jahr 2021 um das Siebenfache ausgebaut. 

Raum für Wachstum und höhere Aktionärsrenditen

Während des jüngsten Earnings Calls ging Jon Gray auf die Situation im Immobilienbereich ein, da Blackstone eines der ersten Unternehmen war, das auf eine Bodenbildung im Immobilienmarkt hingewiesen hat. So hat Blackstone in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 15 Mrd. USD in diesem Bereich eingesetzt und damit das 2,5-Fache seines Investitionsvolumens in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Zu den positiven Anzeichen gehören ein sechsmonatiger Trend zu stabilen oder steigenden Werten bei privaten Immobilien und ein verstärkter Wettbewerb um den Verkauf einzelner Objekte, was zu Preisverbesserungen führt. Außerdem hat sich die Verfügbarkeit von Fremdkapital deutlich erhöht, während die Kapitalkosten gesunken sind. Wenn diese beiden Faktoren mit dem steilen Rückgang der Neubaubeginne kombiniert werden, sei dies ein gutes Vorzeichen für eine langfristige Wertsteigerung, da sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zugunsten höherer Preise verschiebe, so Gray.

Hinzu kommt, dass das Blackstones Private Wealth Business ein beschleunigtes Wachstum erfährt und im 2. Quartal 7,5 Mrd. USD aufbrachte. In der Tat hat das Unternehmen mehr als 6 Mrd. USD in "Perpetual Vehicles" aufgenommen und in der 1. Hälfte des Jahres 2024 insgesamt fast 13 Mrd. Dies übertrifft bereits den Gesamtbetrag, der im Jahr 2023 von Privatinvestoren aufgebracht wurde! Zu den wichtigsten Akteuren gehören BCRED (privater Kreditfonds), der mit 3,4 Mrd. USD die höchste Summe seit zwei Jahren aufbrachte, und BXPE (Private-Equity-Strategien), der 1,6 Mrd. USD einnahm. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 4,3 Mrd. USD aufgebracht.

Nach Angaben Blackstones zeigte der BREIT ermutigende Anzeichen, der im 2. Quartal 900 Mio. USD einbrachte. Dies ist das beste Quartal seit mehr als einem Jahr. BREIT erfüllte zudem seit Februar 100 % der Rückkaufsanträge, wobei die Gesamtzahl der Anträge weiter rückläufig ist. Dies zeigt, dass das Vertrauen in die Blackstones Immobiliengeschäfte wieder zunimmt, denn im vergangenen Jahr hatte der BREIT die Rücknahmen noch zeitweilig begrenzen müssen.

Darüber hinaus ist das Kreditgeschäft ('Private Credit') ein faszinierender Bereich. Blackstone sieht ein starkes Umfeld, das durch eine höhere Nachfrage nach Investment-Grade- und Non-Investment-Grade-Strategien und höhere Zinssätze unterstützt wird.
"Unsere Performance war hervorragend mit minimalen Ausfällen von weniger als 40 Basispunkten in den letzten 12 Monaten in unserem Non-Investment-Grade-Portfolio. Dank unserer Größe können wir uns auf größere Investitionen konzentrieren, bei denen die Wettbewerbsdynamik günstiger ist und die Qualität der Kreditnehmer und Sponsoren höher ist. In unserem weltweiten Direktkreditgeschäft mit einem Volumen von fast 120 Mrd. USD bietet unser Schwerpunkt auf vorrangig besicherten Positionen mit einem durchschnittlichen Beleihungsauslauf von 44 % ein erhebliches Eigenkapitalpolster, das unseren Krediten nachgeordnet ist."
COO Jon Gray, BX 2Q24 Earnings Call
Blackstone ist so stark, dass es bei rund 80 % seines US-Portfolios der einzige oder führende Kreditgeber ist! Das bringt unglaubliche Vorteile mit sich - vor allem im Vergleich zu seinen Kreditnehmern.

In der Zwischenzeit wuchs der Versicherungsbestand im Jahresvergleich um 21 % auf 211 Mrd. USD, was auf das starke Kundeninteresse an Blackstones Asset-light-Modell mit offener Architektur" zurückzuführen ist.

Im Infrastrukturbereich ist das Unternehmen jetzt der größte Infrastrukturinvestor der Welt, wobei BIP (Blackstone Infrastructure Partners) eine Wachstumsrate von 21 % bei der Mittelbeschaffung verzeichnet. Dies ist nun ein Geschäftszweig im Wert von mehr als 50 Mrd. USD mit großen Projekten in der digitalen und Energieinfrastruktur. Dazu gehört ein Solar- und Windkraftprojekt im Wert von 1 Mrd. USD zusammen mit NextEra (NEE), dem größten amerikanischen Energieversorger im Bereich erneuerbarer Energien.

Blackstone verfügt zum Ende des Halbjahr über 180 Mrd. USD an 'Dry Powder', das meiste davon für Investments im Bereich Private Equity. Dieses kann überall dort eingesetzt werden, wo das Unternehmen Möglichkeiten sieht - ein Luxus, den viele Konkurrenten nicht haben.

Alles in allem erzielte das Unternehmen im 2. Quartal 1,1 Mrd. USD an gebührenabhängigen Erträgen (0,91 USD je Aktie), 809 Mrd. USD an gebührenabhängigen AUM (+11 %) und 1,3 Mrd. USD an ausschüttbaren Erträgen (0,96 USD je Aktie). Das ist ein Anstieg von 3 % im Vergleich zum Vorjahr.

Das Unternehmen verfügt über eine Bilanz mit einem A+-Rating und fast 9 Mrd. USD an Barmitteln.

Was die Dividende anbelangt, so zahlt das Unternehmen derzeit 0,82 USD je Aktie und Quartal. Dies entspricht 85 % des ausschüttungsfähigen Gewinns je Aktie und damit dem Ausschüttungsziel des Unternehmens. Da Blackstone Dividende in hohem Maße von den ausschüttungsfähigen Gewinnen abhängig ist und entsprechend schwankt, gibt es kein beständiges Dividendenwachstum; die Dividendenrendite liegt aktuell bei 2,4 %.

Das ist jedoch kein Problem, denn die Wachstumsaussichten des Unternehmens sind sehr rosig, was auch seine Bewertung stützt - die ist nicht gerade niedrig. Sow ird Blackstone derzeit mit einem KGV von 32,4 gehandelt und liegt damit ein ganzes Stück über seinem 20-Jahres-Durchschnitt von 16,1. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt jedoch bei 22,5, was gut zum Wachstumsprofil des Unternehmens passt.

Aus den FactSet-Daten geht hervor, dass die Analysten in diesem Jahr ein EPS-Wachstum von 15 % erwarten, gefolgt von einem Wachstum von 30 % bzw. 15 % in den Jahren 2025 und 2026. Selbst ein starker Rückgang des Multiplikators könnte also den Weg für ein Kursziel von 153 USD ebnen, das rund 10 % über dem aktuellen Kurs liegt. Einschließlich der aktuellen Dividende könnte die Aktie eine jährliche Rendite zwischen 7 und 9 % erzielen.

Ich gehe davon aus, dass diese Zahlen noch besser ausfallen werden, wenn der Fed die erhoffte weiche Landung gelingt. Dies würde die Erwartungen des Unternehmens untermauern und eines der günstigsten Umfelder für Private Equity seit mindestens der großen Finanzkrise 2008/09 schaffen.

Die Kehrseite der Medaille ist ein Szenario, in dem die Zinsen noch länger hoch bleiben oder sogar steigen, was der Wirtschaft und dem Immobilienmarkt schaden würde. Obwohl Blackstone über genügend 'Dry Powder' verfügt, um auch eine solche Situation zu seinem Vorteil zu nutzen, würde dies wahrscheinlich zu einer neuen schwächeren Börsenphase führen.

Ich werde zwar nicht in Blackstone investieren, weil ich mir meine Investments lieber selbst aussuche, als sie einem Vermögensverwalter zu überlassen, aber ich glaube, dass Blackstone eine fast unschlagbare Anlage ist - so als würde man Monopoly gegen jemanden spielen, der die meisten Straßen besitzt und mit Hotels zugepflastert hat.

Pros & Contras


Vorteile

  • Hervorragende Leistung: Blackstone hat den S&P 500 mit einer Rendite von 570 % in den letzten zehn Jahren geschlagen, was perfekt zeigt, wie gut Blackstone Marktchancen genutzt hat.
  • Vielfältiges Portfolio: Von Immobilien und Private Equity bis hin zu künstlicher Intelligenz und erneuerbaren Energien ist Blackstone mit seinen diversifizierten Investitionen gut für künftiges Wachstum aufgestellt.
  • Starke Führung: Mit Branchentitanen wie Steven A. Schwarzman und Jon Gray verfügt das Unternehmen über einige der besten Manager der Branche.
  • Robuste Dividende: Die Dividende ist zwar nicht konstant, aber die aktuelle Rendite von 2,4 % und die günstigen Wachstumsaussichten machen das Unternehmen zu einer überzeugenden Einkommensinvestition.
  • Wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit: Selbst in einem Hochzinsumfeld setzt Blackstone weiterhin erhebliches Kapital ein, was seine Fähigkeit zeigt, Gegenwind zu seinem Vorteil zu nutzen.

Nachteile

  • Hohe Bewertung: Mit einem gemischten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32,4 ist Blackstone nicht billig, was das Aufwärtspotenzial begrenzen könnte, wenn sich das Wachstum verlangsamt.
  • Dividendenschwankungen: Die Dividende hängt von den ausschüttungsfähigen Erträgen ab, so dass sie für diejenigen, die ein beständiges Einkommen suchen, nicht unbedingt die beste Wahl ist.
  • Marktsensitivität: Ein Szenario, in dem die Zinssätze längerfristig steigen, könnte der Wirtschaft und den Immobilienwerten schaden.
  • Komplexität: Die massiven und diversifizierten Operationen von Blackstone könnten für Anleger überwältigend sein, da Blackstone ein hochkomplexes Unternehmen geworden ist.

Mein Fazit

Blackstone ist ein dominanter Akteur in der Welt des privaten Beteiligungskapitals, ähnlich wie der Besitz aller wichtigen Immobilien in einem Monopoly-Spiel.

Mit einem verwalteten Vermögen von 1,1 Billionen USD zeichnet sich das Unternehmen durch ein breites Spektrum an Segmenten aus, darunter Immobilien, Privatvermögen, Infrastruktur und jetzt auch KI und erneuerbare Energien.

Die beeindruckende Performance des Unternehmens, darunter eine Rendite von 570 % in den letzten zehn Jahren, zeigt seinen strategischen Weitblick und seine Fähigkeit, auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich zu sein.

Obwohl ich es vorziehe, meine eigenen Investitionen auszuwählen, machen das beeindruckende Wachstum, die Ertragsaussichten und die strategische Positionierung von Blackstone das Unternehmen zu einem Powerhouse, das den Markt wahrscheinlich auch künftig übertreffen wird.

Gastautorenprofil
Leo Nelissen ist ein Analyst, der sich auf wichtige wirtschaftliche Entwicklungen im Zusammenhang mit Lieferketten, Infrastruktur und Rohstoffen konzentriert. Er veröffentlicht regelmäßig Artikel auf der Investmentplattform Seeking Alpha.

Disclaimer: Habe Blackstone auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

1 Kommentar:

  1. Guter Beitrag. Danke euch beiden.
    Lese Leo schon länger auf Seeking Alpha. Wusste gar nicht das er deutsch spricht. Und ein Gesicht hab ich nun auch zu dem Namen :-)
    Blackstone ist mir mittlerweile leider zu teuer, auch wenn ich da gerne investiert wäre. Werde daher wohl eher bei Apollo und/oder KKR weiter aufstocken.

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