Meine Beobachtungsliste ist eine Anregung. Sie enthält Aktien, die ich für langfristig interessant und aussichtsreich halte und hier im Blog begleite. Trotz vieler Überschneidungen ist sie weder identisch mit meinem Investmentdepot noch mit meinen Wikis und sie ist auch kein Musterdepot.
Sie enthält deutsche Aktien, vor allem Nebenwerte, die internationalen Aktien werden von US-Werten dominiert, es gibt BDCs und REITs, Turnaround-Spekulationen, FinTech-Spekulationen sowie Wikis. Inzwischen haben sich hier Tenbagger angesammelt, viele Verdoppler, aber einige Werte liegen auch deutlich zweistellig im Minus. Da ist von jedem und für jeden was dabei...
▶ Denke selbst!
»Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen«, riet Immanuel Kant. Also Leute, denkt selbst! Diese Beobachtungsliste ist eine Anregung, mehr nicht. Sie dient dazu, dass ihr euch eure eigenen Gedanken zu den Unternehmen macht und euren eigenen Investment-Case erarbeitet. Dazu könnt ihr gerne auf meine Einschätzungen zurückgreifen und gerne können wir über die einzelnen Positionen und das (Value) Investing diskutieren. Denn das ist der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: ich möchte mit euch ins Gespräch kommen, von euch lernen, und auch dadurch ein besserer Investor werden.
»Wer nicht fähig ist, sich selber eine Meinung zu bilden und eine Entscheidung zu treffen, darf nicht zur Börse.«
Fakt ist allerdings, dass nicht jeder Mensch zum guten Aktieninvestor taugt; z.B. mangels Zeit, mangels Interesses, mangels notwendiger charakterlicher Eigenschaften (wie Geduld und Coolness in Stresssituationen). Ist nun mal so, muss sich niemand für schämen. Entscheidend ist aber, dass man dies für sich erkennt und dann die richtigen Konsequenzen daraus zieht. Warren Buffett, der wohl beste Investor aller Zeiten, rät für diese Fälle, sein Geld nicht in Einzelwerte zu stecken, sondern kostengünstige Indexfonds (auf den S&P 500) zu kaufen und einfach unberührt im Depot für sich arbeiten lassen. Geht auch...
▶ Historie der Zu- und Abgänge auf meiner Beobachtungsliste
Alle Aufnahmen und Streichungen zu meiner Beobachtungsliste finden sich auf der Transaktionsliste.
▶ Investor-Updates
In meinen Investor-Updates beschreibe ich quartalsweise, wie sich die Entwicklungen bei einzelnen Unternehmen in meinem Depot als Käufe, Verkäufe oder Umschichtungen niedergeschlagen haben und erläutere meine aktuelle TOP 10.
▶ Performance-Updates
In meinen Performance-Updates beschreibe ich monatlich, wie sich die Börsen und meine vier Wikis in den vergangenen Wochen so geschlagen haben.
▶ RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Viele der in meinem Blog erwähnten Werte halte oder handle ich regelmäßig. Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die ich für vertrauenswürdig und zuverlässig halte.
Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.
Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem Bank unabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.
Vor allem Nebenwerte und/oder Aktien in Turnaround-Situationen sind oftmals markteng und weisen daher bisweilen sehr hohe Differenzen zwischen An- und Verkaufskursen aus (sog. Spreads). Bereits kleinere Orders können daher starke Kursschwankungen auslösen. Hier sollte man daher stets mit Limits agieren!
Hallo,Michael,
AntwortenLöschenich überlege meinen Bestand an Aggreko (A1XFZR) aufzustocken, bin aber noch unsicher. Meiner Meinung nach ein einfaches Geschäftsmodell mit temporären Problemen. Eine eher zurückhaltende Einschätzung bei Value&Opportunity hat mich aber verunsichert. Hast du dich vielleicht schonmal mit diesem Wert beschäftigt ? Kannst du eine Einschätzung vornehmen ? Das würde mich dann interessieren.
Herzliche Grüße
Maria
Moin Maria,
LöschenAggreko kenne ich nur oberflächlich. Die Analyse bei Value and Opportunity habe ich mir angesehen, die wirkt ziemlich stimmig. Insbesondere gibt zu denken, dass das Management selbst davon ausgeht, dass 2015 kein gutes Jahr wird und 2016 noch schlechter. Es stellt sich daher die Frage, weshalb man dann jetzt die Aktien kaufen sollte? Denn ich glaube nicht, dass diese schlechte operative Entwicklung bereits im Kurs enthalten ist - die gerät schnell wieder in Vergessenheit und bei Vorlage der nächsten Zahlen gibt es dann wieder eine negative "Überraschung" und die nächste Abverkaufswelle. Vermutlich ist es ratsam, zunächst einmal abzuwarten, bis das Überangebot nachlässt und die Aktie einen Boden findet. Auf dieser Basis kann man dann schauen, ob Aggreko eine akzeptable Bewertung (für 2016 und danach) aufweist.
Ein Aspekt, der Aggreko in die Hände spielen könnte, ist das von mir im Blog angesprochene Naturphänomen "El Niño", das wohl in diesem Jahr wieder sein Unwesen treiben wird. Denn Einsatzmöglichkeiten für die Stromaggregate von Aggreko ergeben sich ja vor allem in Kriegs- und Krisengebieten - und die dürften dank "El Niño" zum Jahresende hin weltweit deutlich zunehmen. Das spielt dann Aggreko in die Karten, allerdings erst ab 2016. Hier könnte man also beobachten, wie schlimm "El Niño" wütet und im Wissen, dass dann die Nachfrage nach Aggrekos Generatoren anziehen wird, die Aktien im Vorgriff auf die dann zu erwartenden besseren Zahlen kaufen. Sofern die Bewertung zu dem Zeitpunkt attraktiv ist.
Ich halte auch folgende Interpretation für möglich, frei nach Kostolany, also eher stimmungstechnisch : Lt. V&O Blog ist die Aktie bei den Analysten schon länger in Ungnade gefallen, vormals Darling-Status, der Kurs dümpelt bereits seit einiger Zeit und jetzt haben viele die Aktie verkauft. Hohe Umsätze, bei fallenden Kursen. Könnte auch eine gute Einstiegsmöglichkeit sein, gerade weil die schlechten Nachrichten ja zu fallenden Kursen geführt haben, könnten diese jetzt eingepreist sein. Es ist halt die Frage, schmerzt es mich mehr, wenn mir der Kurs davonläuft, weil die Ertragssituation sich plötzlich verbessert, was ich eben nicht voraussehen kann, wann das passieren wird ? Oder schmerzt es mich mehr, wenn der Kurs noch etwas fällt, ich aber von dem Geschäftsmodell überzeugt bin und die Verluste dann halt aussitzen muss ?
LöschenSo wie ich Dich verstanden habe, sitzt Du die bereits aufgelaufenen Kursverluste bei Deinem Aggreko-Bestand ja ohnehin aus, denn Du überlegst ja, weitere Aktien hinzuzukaufen. Nur zu kaufen, um den Einstiegskurs zu verbilligen, davon halte ich nichts - in absoluten Zahlen macht es die Verluste ja nicht kleiner. Einen Nachkauf würde ich nur empfehlen, wenn man davon ausgeht, dass sich das Unternehmen operativ wieder erholt. Und das Management selbst davon ausgeht, dass das nächste Jahr noch schlechter wird, dürfte die Wahrscheinlichkeit recht hoch sein, dass der Kurs noch weiter fällt. Wie gesagt, sollte El Niño zum ersten Mal in der TV-Berichterstattung auftauchen, könnte dies der Startschuss für bessere Geschäfte in 2016 sein. Und vermutlich ein guter Einstiegszeitpunkt (zumal dann ja auch der Börsenherbst hinter aus liegt, der erfahrungsgemäß ja eher eine unterdurchschnittliche Kursperformance aufweist)...
LöschenWenn Du allerdings total von Aggreko überzeugt bist und der Meinung, dass es dort ab 2017 wieder aufwärts geht bzw. sie wieder an die alten geschäftlichen Erfolge anknüpfen können, und Du das Geld auch über die Durststrecke dazwischen schon in das Unternehmen zu investieren, dann kannst Du natürlich auch sofort nachkaufen, weil Dir dann die letzten 10 oder 15 Prozent Absacker egal sind.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich schätze deinen Blog sehr! Die Einzigartigkeit an deinem Blog ist m.E. vor allem dadurch geprägt, dass du immer offen und ehrlich bist, deiner Linie immer treu bleibst und selber auch Fehler zugibst. Hinzu kommt, dass du dein Wissen, welches du dir über Jahrzehnte mühsam selbst erarbeitet hast, hier weiter gibst. Dein Ursprungsgedanke für diesen Blog war ja, dass du selber immer wieder daran erinnerst wirst, den Regeln des Value-Investments zu folgen. Genau aus diesem Grund lese ich deinen Blog auch so gerne, da man leider des Öfteren, von den 'Leitsätzen' etwas abweichen möchte, obwohl man sich, wenn man Erfolg haben möchte, einfach daran halten muss. Aber ich denke, es ist einfach menschlich, dass man manchmal anders reagieren möchte, als es uns die Leitsätze von Warren Buffett lehren:).
Und genau hier habe ich nun eine fundamentale Frage an dich, welche mich schon sehr lange beschäftigt. Gem. Warren Buffett und anderen großen Value-Investoren investiert man langfristig in Werte. Die Kurse, also der Preis ist nur interessant, um zu wissen, wann ein Unternehmen vom Markt unterbewertet ist und wann nicht. Was einem jedoch auffällt ist das Sommerloch. Es gibt ja die alte Börsenweisheit - 'sell in May come back in September'. Wenn man sich mal die Kurse der vergangen Jahrzehnte anschaut, trifft diese Börsenweisheit sehr oft zu. Wenn man jedoch auf Warren Buffett hört, müsste man in unterbewertete Unternehmen investieren, die Aktien liegen lassen, Tee trinken und einfach abwarten, bis der Markt den wahren Wert erkennt. Diese Sichtweise schließt mehrere Jahre ein, d.h. sehr langfristiger Ansatz. Dies ist in meinen Augen auch richtig und so habe ich in der Vergangenheit auch investiert.
Wenn man jedoch die Börsenweisheit nimmt, welche fast jedes Jahr richtig ist, würde dies heissen, dass man sich im Mai von seinen Anteilen verabschiedet und im September wieder investiert. Das Sommerloch ist zumeist von Korrekturmaßnahmen geprägt. Wie handhabst du das? Verkaufst du Anteile noch vor dem Sommerloch, um die Cash-Quote zu steigern und dann nach dem Sommerloch wieder zu investieren oder beachtest du die alte Börsenweisheit überhaupt nicht? Ich bin wirklich am Überlegen, in Zukunft, zumindest die Anteile im Mai herunterzufahren, die Cash-Quote zu erhöhen und dann erst wieder im September nachzukaufen. Das Problem ist, dass dies an sich, eigentlich kein Value-Investment mehr wäre, da ich die Kursschwankungen ausnutzen würde, obwohl ich auch im Mai vom Wert des Unternehmens überzeugt wäre. Wenn man sich aber die Vergangenheit anschaut, ist das Sommerloch in 3 von 4 Fällen von Korrekturmaßnahmen geprägt.
Viele Grüße!
Stefan D.
Ps. Es könne auch gerne die anderen Blog-Leser antworten. Habe gemerkt, dass hier ein sehr hohes KnowHow-Niveau herrscht:)
Moin Stefan,
Löschendiese Saisonalität scheint nur zu passen, denn wenn man sich mal die "fiesen" großen Crashs der letzten Jahres vornimmt, fanden die nicht selten im Herbst statt. Allerdings hätten sie auch zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr stattfinden können (Stichwort Asienkrise), daher verzerren diese Ereignisse das Bild schon etwas nach unten.
Auch stimmt der früher sicher richtige Spruch "Sell in May and go away - but remeber to come back in September" heute nicht mehr ohne Weiteres, denn die Sommermonate sind schon noch gute Börsenmonate. Heute ist man auch im Urlaub ständig erreichbar, das gilt für alle Marktteilnehmer, das ist also völlig anderes als früher, wo man über die Sommermonate dann von der Börse abgeschnitten war und nicht auf Unvorhergesehenes reagieren konnte.
Als Langfristinvestor halte ich wenig davon, den Markt timen zu wollen. Damit liegt man meistens schief! Die Unternehmen werden ja nicht schlechter, nur weil der Aktienkurs etwas sinkt. Daher kann ich der Überlegung, aus Timinggründen heraus gezielt Aktien zu verkaufen, nichts abgewinnen. Allerdings braucht man die Saisonalität ja nicht zu ignorieren; man erzielt ja in der ersten Jahreshälfte auch Dividendeneinnahmen und da kann man sich mit Zukäufen ja zurückhalten und auf den - vermeintlich - schwachen Herbst warten. Dann hat man Cash auf dem Konto, um bei einem Kurseinbruch überproportional zukaufen zu können. So trennt man sich nicht aus den falschen Gründen von seinen Unternehmensbeteiligungen und kann dennoch die vermeintlich höheren Zukaufchancen im Herbst nutzen. Und ist man grundsätzlich nicht mehr von seinem Unternehmen überzeugt, dann sollte man sich von seine Aktien trennen. Aber eben nicht aus saisonalen Gründen...
Hi Michael,
Löschenvielen Dank für deine Antwort. Ja du hast völlig recht, es wäre nichts anderes gewesen, als den Markt timen zu wollen. Und das ist wohl einer der größten Fehler, die man machen kann. Da der Markt überwiegend irrational ist, funktioniert das so nicht. Ich werde in Zukunft versuchen die Cash-Quote im Mai durch die Dividenden und die eigenen monatlichen Einzahlungen zu erhöhen und mich mit Zukäufen ab Mai-September erstmal zurück zu halten und den Markt in dieser Phase noch genauer beobachten. Von dem Wert der Unternehmen bin ich ja weiterhin überzeugt.
Es ging mir darum, noch mehr Anteile von einem Unternehmen zu bekommen. Wenn man immer zu hohen Kursen verkauft und zu niedrigen einkauft, kann man so nach und nach immer mehr Anteile von dem Unternehmen, welches man langfristig halten möchte, gewinnen. Aber dies läuft zu sehr ins Timing rein, was man kaum bis überhaupt nicht beherrschen kann. Um hier das Risiko zu begrenzen, mach ich also doch lieber den easy Weg, behalten, Cash-Quote aus Dividenden u. Einzahlungen erhöhen, und vor allem 'abwarten'. Falls der Markt dann tatsächlich fällt, freut man sich ja auch:). Anders rum hat man nichts falsch gemacht. Danke Michael, ich wäre da vermutlich wieder in etwas hinein getappt, was zu sehr von den Leitsätzen abweicht, obwohl gerade diese langfristig gesehen so gut wie immer Gewinn versprechen.
Viele Grüße!
Stefan
Hallo Michael,
AntwortenLöschenauch ich möchte Dir für den tollen Blog danken. Die ein oder andere Unternehmung habe ich nicht zuletzt dank dir ins Depot gelegt.
Ich persönlich hole mir - mittlerweile - zuerst Investmentideen bei diversen Bloggern und anschließend bewerte ich selber anhand der letzten beiden Geschäftsberichte die Unternehmen.
Der Hintergrund meines Eintrags ist jedoch nicht nur der Lob für Deinen Blog ;-)
Ich habe mir via Aktienscreening einige Interessante Unternehmen rausgesucht. Wäre folgende Unternehmung für deine Empfehlungsliste geeignet? Insbesondere die Finanzierungssituation lässt mich grübeln. Chancen sind langfristige niedrige Darlehen (kfw), die den EBIT weiter beflügeln könnten.
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-aktien/ktg-agrar-se.htm
http://www.ktg-agrar.de/fileadmin/Dateien/Investor-Relations/Publikationen/2015/150513_KTG_Agrar_GBPflichtteil_Digital.pdf
Besten Dank vorab und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Markus Wilms
Moin Markus, ich wünsche Dir ein frohes Neues Jahr!
LöschenKTG Agrar habe ich mir vor zwei (oder drei?) Jahren mal genauer angesehen, doch ich habe mich auf kein Investment eingelassen und würde das auch weiterhin eher nicht tun. Im Agrarbereich ist wenig zu verdienen, viel hängt von staatlichen Subventionen ab. Und KTG ist enorm verschuldet, das kann der Konzern kaum aus dem laufenden Geschäft bedienen. So verkaufen de immer mal wieder Land, was ihnen recht hohe Erträge bringt, weil die Preise deutlich angezogen sind und weiterhin anziehen. Nur ist diese Einnahmequelle ja endlich und wenn man nachher die eigenen Produktionsflächen teuer pachten muss, kann man schon an der Nachhaltigkeit dieses Weges zweifeln.
Das sieht wohl auch das KTG-management inzwischen so und hat nach der Phase des Investierens die Phase des Erntens ausgerufen. Markige Worte. Aber es geht im Kern darum, die Verschuldung und den Schuldendienst deutlich zu senken, weil man sonst irgendwann voll gegen die Wand fährt. So hat man ein Joint-Venture mit Tönnies beendet (wobei man rund 20 Mio. EUR erlöst) und die chinesische Fosun soll bereit sein, mit fast 10 Prozent bei KTG einzusteigen - mit den neuen Mitteln sollen (teure) Altschulden getilgt werden, die per Ende 2014 Netto rund 463 Mio. EUR betrugen. Wie z.B. die 2017 anstehende Mittelstandsanleihe mit einem Volumen von 210 Mio. EUR.
Ich bleibe skeptisch, ob man bei KTG wirklich in ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell investieren kann und daher lasse ich diese Chance (und die damit einhergehenden Risiken) lieber an mir vorüberziehen...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenzuallererst möchte ich mich mal für deinen Blog bedanken. Als Neuling im Bereich Aktien schaue ich hier immer wieder interessiert herein und habe das Gefühl, dabei eine Menge über die Bewertung von Unternehmen und das Börsenleben zu lernen, ferner nutze ich deine Empfehlungen auch für eigene Investmententscheidungen.
Seit einer Zeit gehen mir beim Lesen deines Blogs einige Fragen durch den Kopf, die du mir hoffentlich beantworten kannst.
Meine ersten Börsenschritte habe ich im Bereich Unterhaltungselektronik gemacht und werde da bspw. in Sony investiert bleiben, da ich als junger Mensch das Gefühl habe, den Zeitgeist ganz gut abschätzen zu können und andererseits bei durchaus stabilen fundamentalen kennzahlen des Unternehmens auch Wachstumschancen (VR, sicht festigende Vorherrschaft im Heimspielbereich bei gleichzeitiger Fokussierung auf diesen Bereich) sehe, während ich den materiellen Investmentbedarf eines solchen Unternehmens auch für mich als Laien als halbwegs durchschaubar empfinde. Weil ich die Investitionsmöglichkeiten in diesem Bereich aber als begrenzt ansehe,da viele Aktien ja schon recht hoch bewertet scheinen und bei einem Börsenbeben wahrscheinlich zuallererst die heiße Luft bei den Aktien mit den überirdischen KGV und KBV entweicht, scheue ich mich, hier noch mehr Geld anzulegen und suche nach anderen Investitionsmöglichkeiten, wobei ich mich mich mit deinen Empfehlungen auseinandersetze.
Die Aktienauswahl auf deiner Empfehlungsliste erscheint ja wie ein bunter Blumenstrauß, also recht wenig spezialisiert, da vermute ich, wirst du trotz dieser Diversifikation als ausgebildeter Experte auch in verschiedenen Bereichen ein gewisses Hintergrundwissen über die entsprechenden Geschäftsfelder der Unternehmen mitbringen. Als eine deiner "Lieblinge" sticht für mich gerade besonders die Deutsche Rohstoff AG als eine Rohstoffaktie hervor, wo ich zwar bärenstarke fundamentale Kennzahlen erkenne, es mir aber so vorkommt, dass man für das Abschätzen eines derartigen Investments am besten VWL studiert haben sollte, um mögliche Risiken und Chancen (Ölpreisentwicklung, Goldpreisentwicklung auch im Zusammenhang mit allen möglichen politischen Entwicklungen) zu durchschauen. Inwiefern setzt du für deine Investments denn eine breite Kenntnis des Geschäftsfelds über die reinen fundamentalen Kennzahlen hinaus voraus? Beispielsweise war ja für dich als Nicht-Biologe der "Burggraben" von Novo Nordisk vermutlich schwierig abzuschätzen.
Und wie findest du eigentlich diese Unternehmen und wählst sie aus? Viele davon, gerade die mit erheblichem Kurspotential, findet man wohl nicht einfach so im Supermarktregal, wie es bspw Peter Lynch geschrieben hat.
Und gibt es für dich (ethische) Ausschlusskriterien bei der Auswahl von Unternehmen? Nachdem ich bei der Deutschen Rohstoff investiert habe, musste ich bei weiterem Recherchieren mit Unmut feststellen, dass dort die "horizontalen Bohrungen" mithilfe von Fracking vorgenommen werden, welches ich eigentlich als kritisch ansehe. Da bin ich jetzt sehr ambivalent bezüglich dem weiteren Halten der Aktie.
Gibt es tiefergehende Literatur neben den populären Werken zum Valueinvesting, die du interessierten Anlegern empfehlen kannst? Würdest du sagen, dass es sich für private Anleger lohnt, sich intensiv mit Grundlagenbüchern der BWL auseinanderzusetzen?
Das war jetzt doch ein etwas längerer Post mit einigen Fragen, aber vielleicht findest du ja mal die Zeit, die eine oder andere Frage aufzugreifen.
Viele Grüße Andreas
Moin Andreas,
Löschenein wahrlich umfassender Rundritt, den Du da hingelegt hast...
VWL muss man nicht studiert haben, um an der Börse investieren zu können. Ich denke, man muss eine gute Allgemeinbildung haben und Spezialkenntnisse in eine oder mehreren Bereichen ist sicherlich nicht verkehrt. Eine überdurchschnittliche Bereitschaft, sich Wissen und neuer Erkenntnisse anzueignen, sind durchaus hilfreich. Letztlich muss man bereit sein, Dinge zu hinterfragen, Dinge zu lernen, und daraus seine Schlüsse zu ziehen. Nur der Meinung anderer Leute hinterherzulaufen, ist nicht ausreichend. Man muss seinen eigenen Verstand einsetzen, denn man investiert ja auch sein eigenes Geld. Entscheidend ist zu erkennen, was man nicht kann, was man nicht weiß, was man nicht versteht. Um diese Bereiche sollte man einen Bogen machen und sich auf die übrig bleibenden konzentrieren. Damit ist man der Mehrzahl der Börsianer schon einen großen Schritt voraus und mächtig im Vorteil. Man muss nicht jede vermeintlich günstige Gelegenheit mitnehmen, man sollte lieber auf die sicheren Sachen setzen. Also die, von denen man überzeugt ist.
Spezielle BWL-Literatur halte ich nicht für nötig; ein gewisses Grundwissen über Bilanzen und Rechnungslegung, also auch die entscheidenden Kennzahlen für die Bewertung von Unternehmen/Aktien hingegen schon. Reinhold Gagels "Wie man eine Bilanz liest" finde ich gut verständlich, ebenso Nicolas Schmidlins "Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse".
Zu DRAG und dem Fracking. Ich weiß gar nicht, was alle Leute gegen diese Fördermethode haben. Sie ist erprobt (in Deutschland wird seit mehr als 50 Jahren auf diese Weise Öl und Gas gefördert) und sie ist vergleichsweise sicher. Die Umweltschäden nehmen sich ziemlich gering aus verglichen mit den anderen Arten der Öl- und Gasförderung. Natürlich hat jeder den Fernsehbericht gesehen, wo des Wasserhahn Feuer gefangen hat. Und die meisten Leute kennen nicht die Klarstellung, dass dies nichts mit dem Fracking zu tun hatte. Wenn jedoch jemand der Meinung ist, diese Methode sei grundsätzlich abzulehnen, dann kann und sollte er vielleicht auch nicht in derartige Unternehmen investieren. Das ist ja die Entscheidung von jedem selbst.
Ich habe keine ethische rote Linie, aber ich investiere nicht in bestimmten Bereichen. Rüstungsaktien sind für mich kein No-go, aber ich kaufe keine Tabakaktien. Krebs (durch Rauchen) verursacht unendliches Leid bei den Betroffenen und die Tabakkonzerne verdienen daran, Menschen Gift zu verkaufen und auch noch solches, das sie süchtig macht. Kein Geschäft für mich. Im Grunde gibt es ja bei allen Dingen im Leben Vor- und Nachteile, Positives und Negatives. Und jeder kann für sich entscheiden, wie er die Schwerpunkte setzt.
Hallo Michael,
Löschendanke für deine ausführliche Antwort. Dass Fracking hierzulande schon ein alter Hut ist, war mir gar nicht bekannt. Ich werde meine bisherige Position erstmal halten, aber trotz der momentanen Kursschwäche erstmal nichts mehr dazukaufen, weil es für mich schwer abzuschätzen ist, wie schädlich Fracking tatsächlich ist, außerdem der Punkt mit dem Wohlfühlen. Da kommen mir beispielsweise Immobilienaktien durchschaubarer vor und deshalb behalte ich gerade vor allem Patrizia und Publity im Auge. Würdest du sagen, dass du dich als Finanzfachmann mit "Finanzaktien" (Assetmanager, Immobilienhandel, Versicherungen) im Allgemeinen versierter/wohler fühlst als mit Rohstoff- und Technologieaktien, wo Dinge wie technisches Know-How eine Rolle spielen?
Schöne Grüße Andreas
Moin Andreas,
Löschenes ist natürlich schon ein Unterschied, ob man in den Weiten Colorados oder Nevadas Fracking betreibt oder im dicht besiedelten Ruhrgebiet mit seinen großen Trinkwasserreserven im Grundwasser. Nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv. Sollte es gelingen, den inzwischen schon sehr geringen Anteil an giftigen Chemikalien vollständig zu ersetzen, wird das in Deutschland die panische Angst vor Fracking nicht lindern, aber objektiv die Methode "annehmbarer" machen.
Zu Deiner anderen Frage: Buffett nennt das den "Circle of Competence", den man nicht verlassen sollte. Man darf nur innerhalb dieses Kompetenzradius investieren, alles was außerhalb liegt, ist tabu. So stellt man sicher, dass man (viel eher) weiß, was man tut.
Natürlich habe ich zu einigen Bereichen einen einfacheren Zugang als zu anderen. Ich kann nicht/kaum einschätzen, wie sich bestimmte geologische Formationen auf den Ertrag oder die Kosten auswirken. Ich kann auch nicht einschätzen, wie wirkungsvoll eine Software ist, ob sie am Markt ankommt oder wie leicht es ist, sie einfach nachzuschreiben oder eine noch bessere auf den Markt zu bringen. Hier bin ich auf die Analysen und Einschätzungen anderer Leute angewiesen. Je mehr ich hier lese, um so mehr unterschiedliche Meinungen lese ich und umso besser wird mein Empfinden für das Geschäft. Wenn ich glaube, dass ich eine eigene Einschätzung der Chancen und Risiken vornehmen kann, dann bin ich bereit für ein Investment. Dann muss "nur" noch der Preis stimmen. Erkenne ich jedoch, dass ich nicht wirklich verstehe, was im Unternehmen und seinem Marktsegment vor sich geht, dann darf ich gar nicht investieren! Ich würde ja nur den Kurs kaufen und darauf hoffen, dass der sich in die gewünschte Richtung entwickelt. Den Wert des Unternehmens, absolut und relativ im Verhältnis zu seinen Wettbewerbern, kann ich dann ja überhaupt nicht einschätzen. Und Value Investing bedeutet das Ausnutzen des Unterschieds zwischen Wert und Preis. Kennt man einen oder gar beide Faktoren nicht, zockt man, aber man investiert nicht.
Guten tag ich bin neu an der Börse und finde deinen Blog echt gut und hilfreich,ich interessiere mich sehr für umicore da ich nur das Unternehmen gefunden habe das aus elektro Müll die Metalle Recyclt und barren zum Verkauf dadurch anbieten. Die EigenkapitalQuote ist bei 40% ich denke das ist vollkommen okay, Jahres Überschuss und Ergebnis pro Aktie steigt auch jährlich an. Da du einmal umicore hattest und etwas dazu geschrieben hast das sie an der Entwicklung von Elektromotoren beteiligt sind und es in dem Bereich allgemein Grade etwas schwierig keiten gibt verkauft haben. Also ich denke das es das Unternehmen nicht schadet da das Haupt Geschäft ja das elektro Schrott und die barren die daraus entstehen das Kern Geschäft sind, würde mich sehr freuen auf eine Antwort da du dich eventuell mehr damit beschäftigt hast vielleicht kennst du ja noch andre Unternehmen mit diesem Geschäfts Modell Recycling von elektro Schrott und die dadurch entstehde barren vertreiben das finde ich sehr gut und auch zukunfts sicher weil es immer mehr elektronische Geräte gibt also Müll und metalle wieder zu verarbeitung gebraucht wird.
AntwortenLöschenRecycling oder Neudeutsch "Urban Mining" ist ein spannender und aussichtsreicher Industriezweig. Umicore ist hier eines der führenden Unternehmen, Tomra ein weiteres. Bzgl. der Elektrobatterien ist das Hauptproblem, dass es bisher keine Standards gibt, nach denen diese Batterien gefertigt werden. Jeder Hersteller baut sie so, wie sie in sein Auto passen. Daher gibt es auch keine Möglichkeit, sie nachher mit Standardverfahren zu recyclen. Das muss von Hand geschehen und ist dem entsprechend extrem aufwändig und teuer. Solange hier keine verbindlichen Standards vorgeschrieben werden (durch die EU oder weltweit), ist das wenig lukatriv.
LöschenEin zweites Problem besteht darin, dass die Batteriezellen brandgefährlich sind. Werden sie beschädigt, brennen sie schier unaufhaltsam bei extrem hohen Temperaturen. Daher muss (!) jede Batterie einzeln als Gefahrgut transportiert werden, was auch wieder die Kosten enorm in die Höhe treibt. Daher wird versucht, die Batterien nach ihrem Ableben im Automobilbereich (da wird ein sehr hoher Wirkungsgrad benötigt, da ansonsten die Reichweite zu gering wird) anderen Aufgaben zuzuführen, zum Beispiel als Energiespeicher. Da können sie mit nachlassenden Wirkungsgraden noch einige Jahre weitergenutzt werden, was ihre Umweltverträglichkeit und ihren "ökologischen Fußabdruck" erheblich verbessert. In Bezug auf das Recycling ändert sich hierdurch allerdings nichts.
Ich denke, dass in diesem Bereich kaum Geld verdient werden kann, solange nicht einheitliche Standards gelten und die Reclingunternehmen sich dann hierauf einstellen und eine automatisierte Bearbeitung/Demontage einführen können. Bis dahin ist jede Investition in diesem Bereich seitens Umicore oder seiner Wettbewerber mit hohen Risiken verbunden und erweist sich ggf. als Fehlinvestition mit dann hohem Abschreibungsbedarf. Für mich daher auf dieser Basis nicht visibel genug für ein Investment.
Ach so... eine Alternative zu Umicore könnte z.B. Waste Management aus den USA sein. Die sind ja dort der größte Müllverbrennungsanlagenbetreiber, aber auch das größte Recyclingunternehmen. Auch die fahren die Recyclingquote jedes Jahr weiter hoch und verdienen dem entsprechend immer mehr an den wiedergewonnenen Rohstoffen - auch Edelmetallen, z.B. aus Computerschrott und alten Smartphones/Tablets.
LöschenHallo Michael,
AntwortenLöschensehr schöner Blog. Bin stiller Mitleser seit geraumer Zeit und freue mich immer über deine Einschätzungen, gerade zu den kleinen Firmen.
1) Wie kommt es zu dem Sinneswandel in Bezug auf China-Aktien (New Oriental Education)?
2) Wie hoch ist deine Gewichtung der Nebenwerte beim Einkauf bei den Nebenwerten im Vergleich zu den etablierten US-Werten? Beimischung oder ebenbürtig? Der Börsenpunk empfiehlt eine 80/20 Strategie, aber ein Nebenwert ist nicht automatisch ein Risikowert!?
3) Woher beziehst du Deine Informationen zu den Nebenwerten (Nebenwerte-Journal, Eigenrecherche, etc.)?
4) Wie oft legst du nach, z.B. bei einer SBF, die hervorragend läuft, aber weiter steigt?
Viele Grüße
Martin
Moin Martin,
Löscheneinen generellen Sinneswandel bzgl. China-Aktien habe ich nicht. Bei New Oriental Education ist es allerdings so, dass die eben in China tätig sind und China ein absoluter Boom-Markt für Online-Bildung ist. Das hat in diesem Fall den Ausschlag gegeben.
Die Gewichtung von Nebenwerten ist zumeist geringer als die meiner Quality Investments. Wenn man eine zehn Jahre alte Position im Depot hat, mit mehreren hundert Prozent Zuwachs dann kann man mit einer neuen Position kaum auf die gleiche Größe kommen. Des Weiteren hängt es natürlich auch davon ab, wie man die "neue" Aktie einschätzt; ob es eher ein spekulativerer Nebenwert ist oder eine Turnaround-Spekulation. Hier muss man einschätzen, was die richtige/beste Gewichtung ist im Vergleich mit den anderen Positionen im Depot und im Verhältnis zum Gesamtvermögen.
Aber nein, Nebenwerte sind nicht automatisch Risikowerte. General Motors ging 2008/09 Pleite, die Aktionäre verloren alles. Lehman Brothers als eine der größten Investmentbanken der Welt, ebenfalls. Aktuell würde die Lufthansa ohne Staatshilfe die Segel streichen müssen und General Electric hat die Größe auch nicht gerettet oder die Diversifikation in so viele verschiedene Geschäftsbereiche. Nebenwerte sind zumeist fokussierter auf ihre Branche; das erhöhte Risiko ergibt sich ggf. aus einem (zu) geringen Börsenumsatz, so dass man weder schnell ein- noch aussteigen kann. Was die Positionsgröße dann auch selbst schon beschränkt. Doch das Risiko liegt weniger in dem Status Nebenwert als vielmehr darin, dass man als Anleger genau(er) wissen muss, was man da kauft. Weil man eben nicht wie bei einer Siemens fast jede Positionsgröße sofort und ohne großen Spread abstoßen kann. Ich werte das aber nicht als Risiko, sondern als Qualitätsmerkmal im Hinblick auf den Ausleseprozess (vor dem Aktienkauf).
Meine Infos beziehe ich u.a. über das Nebenwerte Journal (Abo), aber auch über die HV-Berichte von GSC (kostenpflichtig). Des Weiteren über die Unternehmensnachrichten (finanznachrichten.de, dgap.de) und auch wallstreet-online. Und natürlich aus den Geschäftsberichten der Unternehmen.
Wie oft ich "nachlege"? Kommt drauf an. Wenn ein Unternehmen "nur" meinem Investmentcase folgt, dann eigentlich gar nicht - sofern nicht Unternehmenswert und Kurs deutlich auseinanderklaffen. Bei SBF zeichnete sich der Turnaround schon länger ab, aber der Kurs zog noch nicht an. Da habe ich aufgestockt. Bei Funkwerk habe ich auch meine Position verdoppelt, als der Turnaround wirklich ins Laufen kam. Aber auch Microsoft habe ich aufgestockt, nachdem Nadella dort angetreten war und seine neue Strategie das Unternehmen wieder nach vorne katapultierte.
Doch gerade bei den Nebenwerten gibt es oft längere Phasen, wo der Kurs nicht anspringt, obwohl er das sollte. Das muss man einkalkulieren und tolerieren. Der Kurs hat nicht immer Recht, das ist eine dümmliche Annahme. Der Kurs ist nur das Ergebnis der Einschätzung zweier Menschen (oder von Algos) zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er steigt, wenn die Nachfrage steigt - und bei Nebenwerten passiert das oft dann, wenn die Leute auf das Unternehmen aufmerksam werden. Weil sie es vorher nicht auf dem Schirm hatten. Das passiert bei Standardwerten eher selten. Bei Nebenwerten muss man stets die nötige Geduld mitbringen, bis einem der Markt zustimmt. Oder man erkennt, dass man falsch lag (aber das erkennt man nicht am Kurs, sondern daran, dass der Investmentcase nicht "fliegt").
Wow, sehr ausführlich. Danke!
LöschenOnline-Bildung ist nicht meine Branche. Ganz im Gegenteil.
Mit den richtigen Smallcaps kann man schneller Rendite machen. Bei SBF kam ich auch nur 1x zum Nachlegen. Für meinen Geschmack zog die jetzt sogar etwas zu sehr an in der kurzen Zeit. Die großen Firmen sind gefühlt die sichereren Anlagen, aber eher Langstreckenläufer.
Das Nebenwerte-Journal finde ich auch gut, allerdings hat man nicht jede Ausgabe seine Wunschunternehmen dabei. GSC ist mir auch positiv aufgefallen. Die Webseite wirkt aber etwas altbacken und ich persönlich finde es dort anstrengend zu lesen. Der Inhalt gefällt mir gut.
Beate Sander sagt, man solle zwei bis drei Tranchen a 1000 EUR machen. Auch um dasd Risiko zu minimieren. Bei so Durchstarten ist es nicht möglich. Daher kann man auch mal eine Tranche in einem Rutsch anlegen, wenn man von der Story überzeugt ist.
Mittlerweile muss ich sagen, dass du bei mir die Nr. 1 bist. Stefan Waldhauser war lange Zeit vorne, aber deine Analysen finde ich insgesamt etwas griffiger und kann diese eher nachvollziehen. Mag vielleicht auch an den Unternehmen liegen. In deinem Blog ist weniger Trading. Das kommt wohl durch das wikifolio von Stefan. Bin kein Fan von diesem ständigen hin und her.
Vielleicht ist für Dich neben SBF auch Funkwerk interessant? Die sind in ihrem Turnaround und der Kursentwicklung gute zwei Jahre weiter als SBF, werden vom markt aber weiterhin sträflich vernachlässigt (auch wenn sie eine der am besten performenden Aktien auf meiner Beobachtungsliste ist).
LöschenUnd auch Delignit finde ich spannend; wenn jetzt die Autoproduktion hochfährt, kommt das Delignit sehr zu gute. Und egal welcher Antrieb sich durchsetzt, Benzin, Diesel, E, Hybrid, Wasserstoff, das Thema Reichweite und Gewichtsreduktion sowie nachwachsende/recycelbare Produkte nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Da ist Delignit mit seinen Laubholz basierten Produkten ganz vorne mit dabei, bei PKWs, LKWs, Wohnmobilen, Zügen.
Funkwerk habe ich auf der Watchlist - wie viele andere Unternehmen. Ist schon stark gestiegen. Ggf. bei starken Rücksetzern. Mit Delignit werde ich nicht warm. Da fehlt mir persönlich etwas die Fantasie.
LöschenEnergiekontor gefällt mir noch am besten zurzeit.
Momentan spare ich. Möchte jedoch vermehrt in Highflyer investieren, wo es mindestens eine Verdoppplung gibt.
Würde wohl eher bei SBF-Rücksetzern nochmal nachlegen als bei Funkwerk neu einzusteigen. Möchte weiter in aussichtsreiche Firmen investieren, die noch am Anfang stehen, ggf. auch bestehende Firmen im Depot nachlegen. The Trade Desk ist jetzt am ATH, aber wenn die nochmal kräftig fällt, würde ich hier ohne Bedenken nachlegen.
Viele Werte sind mir zu teuer gerade. Spekuliere auf den Herbst. Es gibt so viele tolle etablierte Aktien, die ich bei Abstürzen nur allzugerne aufsammeln würde.
Als Investor ohne hohe Cash-Quote war mir dies in der Vergangenheit leider nicht möglich. Jetzt, wo das Depot eine gewisse Größe erreicht hat, kann ich eine höhere Cash-Quote testen. So profitiere ich am Markt von steigenden Kursen, kann aber auch bei sich bietenden Gelegenheiten - im Gegensatz zu früher - darauf reagieren und investieren.
Jeder muss für sich herausfinden, ob und wie hoch er ggf. eine Cashquote halten will. Ich habe meine jahrelange Praxis geändert, nachdem ich erkannt habe, dass eine üppige Cashquote nicht zu besseren Resultaten führt; im Gegenteil, man verschenkt damit Geld. Weil man sich immer sagt, dass man nachkauft, wenn der Kurs billiger ist, aber wenn er fällt, dann fällt er zumeist aus einem Grund bei dem Unternehmen oder beim Gesamtmarkt und man kauft dann nicht nach - weil zu dem Zeitpunkt die vorherige Sicherheit flöten gegangen ist und man Angst hat, der Kurs könnte noch tiefer fallen. Kannste ausführlich hier nachlesen: "Ist eine hohe Cash-Quote für günstige Gelegenheiten wirklich eine gewinnbringende Idee?.
LöschenZu Funkwerk habe ich gerade einen ausführlichen Artikel veröffentlicht - der von Dir benannte Kursanstieg ist nur ein Aufholen des unberechtigten (!) vorherigen Abverkaufs. Man sollte unbedingt den Ankereffekt vermeiden: ganz klassisch passiert der, wenn man einen willkürlichen Punkt als Referenz wählt, also z.B. den Tiefstpunkt einer Korrektur, und dann den jetzigen Aktienkurs damit vergleicht. Ist völlig egal!!! An der Börse wird die Zukunft gehandelt, was gestern war, ist (fast) egal. Bewerte heute das Unternehmen und seine Aussichten in 12, 18, 60 Monaten. Und überlege, was die Aktie dann wert sein dürfte. Und vergleiche dieses Ergebnis (!) mit dem heutigen Aktienkurs. Achte nicht darauf, was der Kurs vielleicht machen wird, ob er morgen steigt oder fällt oder in drei Wochen. Wo wird der Wert der Aktie in 12, 18 oder 60 Monaten stehen? Das ist die entscheidende Frage. Und wenn Du die Aktie heute deutlich tiefer kaufen kannst, dass ist sie ein Kauf. Nicht aufgrund aktueller Börsenschwankungen.
Und das gilt selbstverständlich nicht nur für Funkwerk, sondern für jede Aktie.
Hallo Herr Kissig,
AntwortenLöscheninwieweit achten Sie auf die Sektorgewichtung, also wenn Sie einen neuen IT-Wert aufnehmen, reduzieren Sie dann eher einen anderen? Vergleichen Sie z.B. Ihre Gewichtung von Immobilien-Aktien mit einem Index?
Bei Ken Fisher habe ich dazu einen interessanten Ansatz gelesen. Er meint, dass 70% der Rendite von der Assetklasse abhängen (Aktien/Anleihen/Cash), 20% von der Sektorgewichtung und nur 10% von der Auswahl der einzelnen Aktien. Faszinierender Gedanke.
Und bei Zeit/Aufwand ist es meistens umgekehrt. Doch am Ende ist es fast egal ob Pfitzer oder Merck, da die Kurse sehr ähnlich laufen.
Ein weiterer Aspekt: er zeigt, dass Nebenwerteperformance sich historisch auch mit den kleinen Werten des S&P500 erzielen ließ, sodass man eigentlich keine Small Caps mit ihren Nachteilen im Depot braucht.
Ja, die Sektorgewichtung spielt eine entscheidende Rolle. Ist ja auch logisch nachvollziehbar, denn wenn ein Sektor per se boomt, dann können hier auch die zweit- und drittklassigen Unternehmen erfolgreich sein. Investiert man hingegen in einen kriselnden Sektor, muss man schon den Besten herausgepickt haben, um eine Überrendite zu erzielen. Das macht das Stock Picking natürlich viel schwieriger und fehleranfälliger. Die Grundannahme in der Vergangenheit war, dass sich hieraus auch besondere Gewinnchancen ergäben. Doch das altbewährte Muster funktioniert seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, weil der Technologiesektor unaufhaltsam boomt und auch alle anderen Sektoren "infiltriert". Der "adressable market" wächst also beständig an, weil es immer neue Anwendungsgebiete gibt, während sich immer weniger Lebensbereiche finden, in denen Technologie keine Rolle spielt.
LöschenIn meinen vierteljährlichen Investor-Updates gehe ich regelmäßig darauf ein, welche Sektoren ich favorisiere und aus diesen rekrutieren sich dann auch die meisten meiner Investments. Dies ist Teil des Quality Investings, denn die boomenden Sektoren sind prinzipiell höher bewertet als die taumelnden. Man muss/sollte daher bereit sein, für Qualität einen entsprechend höheren Preis zu akzeptieren.
Hallo,wie ist deine Einschätzung zu BHP Biliton und Rio Tinto? Hälst du ein Investment in diesem Bereich für zielführend? Was sind die Alternativen ggfs? Zudem bin ich schon lange in Henkel investiert aber leider nicht gerade erfolgreich. Vielleicht kannst du hierzu und zu Unilever,Reckitt, Danone etc. eine Meinung abgeben. Was sind hier deine Favoriten?
AntwortenLöschenVielen Dank und ich bin auf die Antwort gespannt.
😀
Im Rohstoffsektor habe ich nicht gerade eine große Expertise. Die Unternehmen müssen sehr viel Geld ausgeben, bevor sie endlich die Rohstoffe gefördert haben. Und dann muss gerade der Weltmarktpreis passen, damit sie sie gewinnbringend verkaufen können. Sind die Preise aber niedrig, kann es sein, dass die Minen viele Jahre lang keinen Gewinn abwerfen werden und stillgelegt werden müssen. Die Unterhemmen hängen stark vom Rohstoffzyklus ab und können darauf immer nur sehr langsam reagieren. Daher reizt mich der Sektor nicht so sehr.
LöschenHenkel und Reckitt Benckiser sind im Bereich Reinigungsprodukte tätig, Danone und Unilever überwiegend bei Nahrungs- und Lebensmitteln. Alle zählen zu den defensiven Konsumwerten, von denen man ausgeht, dass ihre Produkte "irgendwie immer" gekauft werden. Das ist auch so, allerdings gibt es eben keine Garantie, dass die Menschen immer die Marken/Produkte eines bestimmten Herstellers kaufen. Kraft Heinz hat hier jahrelang Lehrgeld zahlen müssen mit ihren angestaubten Marken, die man nicht gepflegt hat(te).
Die Wachstumsaussichten sind begrenzt, da der markt verteilt ist und daher lediglich mit dem Bevölkerungswachstum steigt. Daher versuchen die Unternehmen, durch rege M&A-Aktivität sich besser zu positionieren und ihre Margen zu steigern. Schwierig für die Branche ist der zunehmende Erfolg des Online-Lebensmittelhandels. Bisher konnten sich die Unternehmen mit den Supermärkten einigen und sie bekamen höhere Einkaufsrabatte für aussichtsreiche Regalplatzierungen. Künftig wird der Faktor Onlinekauf wichtiger und dort gelten andere Regeln. Ich bin mir nicht sicher, wie sich das auf die Markenherstellern auswirken wird und ob/wie sie hier die Kurve kriegen.
Vor einigen Jahren wurden die Aktien wahnsinnig teuer bezahlt, weil Anleger auf die stabilen Cashflows und Gewinne setzten und auf die schönen Dividendeneinnahmen. Inzwischen ist der Reiz verflogen und auch die hohen Bewertungen wirken nicht mehr so attraktiv, weil stetige Cashflows eben auch mit wachstumsstarken Unternehmen erzielt werden können. Wie SaaS-Firmen und/oder Microsoft, Amazon, Apple, Facebook usw.
Ich finde die genannten Aktien nicht übermäßig interessant als Investment. Kann man im Depot haben, sollte man aber nicht zu viel von erwarten. Mein Favorit in diesem Sektor ist Costco (hier klicken). Die wachsen ordentlich und haben mit ihren "Club-Konzept" ein saustarkes Geschäftsmodell, das seit Jahrzehnten funktioniert. Die Dividendenrendite ist auch attraktiv, wenn man die alle paar Jahre ausgeschüttete Sonderdividende mit einbezieht (die erfolgte im November 2020 und lag bei $10 je Aktie). Ab und zu gibt die Aktie mal ordentlich nach, wie im März, das sind dann immer gute Nachkauf- oder Einstiegsgelegenheiten.
Guten Abend Herr Kissig,
AntwortenLöschenich stelle mir gerade die Frage, ob man über längere Zeit besser als der Markt abschneiden kann. Ich habe vor kurzen das Buch "Aktien für die Ewigkeit" gelesen. Aus der statistischer Sicht werden daran viele scheitern, aber es gibt für mich auch Gründe, die dafür sprechen, dass ich besser als der Durchschnitt sein kann. Welche Gründe sehen sie dafür? Ich lese schon lange Ihren Blog und finde es an sich spannend, sich mit Einzelinvestments zu beschäftigen. Was halten Sie von dem Buch von Jeremy Siegel?
Jeremy S. Siegels Buch "Aktien für die Ewigkeit" ist ein Klassiker und jeder Anleger sollte das Werk gelesen haben. Ich hatte vor einiger Zeit mal eine ausführliche Rezension dazu verfasst (hier lesen).
LöschenIch denke auch, dass die meisten Anleger nicht besser als der Marktdurchschnitt abschneiden werden. Weil sie a) sich nicht genau mit den Unternehmen befassen, deren Aktien sie kaufen, sondern b) lieber der heißesten Empfehlung hinterherlaufen und c) viel zu wenig Geduld haben, wenn die Aktie nicht sofort steigt oder gar fällt nach ihrem Kauf.
Doch genau das Gegenteil führt um Erfolg! Erst ordentlich informieren und nachdenken und erst/nur dann die Aktie kaufen, wenn man wirklich von dem Unternehmen und seinen Zukunftsaussichten überzeugt ist (so Warren Buffett). Man sollte kurz und knackig erklären können, wie das Unternehmen sein Geld verdient (so Peter Lynch). Man sollte auf Unternehmen setzen, die eine solide Bilanz und/oder hohe und wachsende Cashflows aufweisen (so Ken Fisher) und man muss die Geduld haben, sich die Aktien anhand der fundamentalen Entwicklung entwickeln zu lassen (so Benjamin Graham, Warren Buffett, Peter Lynch, Charlie Munger uvm.).
Beherzigt man diese Grundsätze, hat man schon vieles richtig gemacht. Und trotzdem wird man so nicht nur Outperformer im Depot haben. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn für die Überrendite reichen schon ein oder zwei Multibagger, die dann für das Gesamtdepot die Outperformance einspielen (so Peter Lynch). Und wenn man diese super Gelegenheiten vor sich hat und von ihnen überzeugt ist, sollte man auch eine ordentlich große Position bei ihnen eingehen (so Charlie Munger).
Im Grunde ist es also ganz einfach. Aber leider scheitern die meisten Anleger daran, weil sie nicht das emotionale Mindset mitbringen und immer wieder gegen eine oder mehrere dieser simplen Regeln verstoßen und so ihre Rendite killen. Und warum? "Value Investing ist der einfachste Weg zum Reichtum, doch nur wenige nutzen ihn. Niemand will langsam reich werden", (so Warren Buffett). Und genau diese Gier, dieser Wunsch, (mit Aktien) schnell reich zu werden, versaut einem die Erfolgsbilanz. Daher sollte und muss man ständig an sich arbeiten, aus seinen Fehlern lernen und dadurch besser werden (so Charlie Munger). Dann klappt's auch mit der Überrendite - nur eben nicht sofort und nur auf lange Sicht.
Also alles ganz einfach, aber nicht simpel (so Warren Buffett).
Hallo eine Frage an Sie: die bisherigen Favoriten KKR und Apollo schmeißen sie Stück für Stück aus dem Wiki. Warum?
AntwortenLöschenDer Ukraine-Krieg und die Auswirkungen der Sanktionen werden erhebliche Auswirkungen auf unser Leben in den nächsten Monaten und Jahren haben. Ich habe daher Anpassung meines Depots und meiner Wikis an die "neue Realität" vorgenommen. Und die lautet leider: hohe, anhaltende Inflation, Umsatzeinbußen bei vielen Unternehmen (durch Russland-Boykott), sinkenden Gewinne durch hohe Energiekosten, Notenbanken in Problemen (steigende Zinsen bremsen Wirtschaft zusätzlich ab; Inflationsbekämpfung ist aber ein Hauptziel). Mit anderen Worten: wir steuern absehbar auf eine Rezession zu und zwar in Deutschland, Europa, USA. Das ist kaum noch zu vermeiden, selbst wenn der Ukrainekrieg sofort beendet würde.
LöschenDie Folge aus diesen Überlegungen ist, dass die Börsenkurse leiden werden, weil viele Unternehmen schlechtere Geschäfte machen werden und/oder die Erwartungen der Anleger zu hoch sind. Das liegt auf der Hand. Aber es lag auch auf der Hand, dass das starke Extra-Wachstum durch Corona bei einer Normalisierung zu niedrigeren Wachstumsraten führen wird - und die Kurse der Unternehmen stürzen ab, wenn dann die konkreten Zahlen vorgelegt werden.
Ich positioniere daher Depot und Wikis so, dass ich Unternehmen höher gewichte, die mit der neuen (und wohl Monate oder länger anhaltenden) Lage gut/besser zurecht kommen und ich verkaufe die Unternehmen, die stärker in Mitleidenschaft geraten dürften. Und ich habe einige Gewichtungen leicht angepasst, wenn es mir im Hinblick auf die Depotbalance nötig erschien.
Finanzwerte und dabei auch Alternative Asset Manager leiden in Rezessionen überdurchschnittlich, weil ihre Einnahmen sinken (Provisionen) und der Wert ihrer Beteiligungen. Das mögen Anleger gar nicht. Im Gegenzug können sie natürlich ihr "Dry Powder" für neue lukrative Zukäufe einsetzen, wodurch die zukünftigen Gewinne gepusht werden. Bis sich die Aktienkurse wieder erholen, dauert es aber ein bisschen.
Ich habe daher Apollo und KKR reduziert und im Gegenzug Berkshire Hathaway aufgestockt.
Meine Überlegungen hinsichtlich Inflation, Rezession usw. werde ich in einem separaten Artikel noch ausführlicher darlegen.
Wie Sie das beschreiben ist es am Besten alles zu verkaufen :D
LöschenBei 0% Zinsen auf dem Konto und einer Inflationsrate von 5% ist das doch auch keine Option. In den richtigen Unternehmen angelegt wird dort das Geld vermehrt - das zahlt sich früher oder später dann auch in (wieder) höheren Aktienkursen aus. Qualitätsunternehmen mit Preissetzungsmacht sind der beste Schutz gegen Inflation.
Löschen...dannn müsste doch mutares auch reduziert werden?!
LöschenIch schätze das anders ein und habe Mutares sogar aufgestockt. Denn Mutares ist Experte für Stresssituationen in Unternehmen. Sie kaufen angeschlagene, insolvente, taumelnde Firmen oder Sparten von Großkonzernen. Dafür bezahlen sie wenig bis gar nichts und bekommen oftmals sogar eine "Sanierungsmitgift" mit auf den Weg (Bargain Purchase). Anschließend sanieren sie die Neuerwerbungen, rationalisieren, strukturieren um, positionieren sie neu und kaufen ggf. weitere Firmen aus der Branche und formen neue, schlagkräftige Konzerne. Diese verkauft Mutares nach 3 bis 5 Jahren wieder, wenn die Unternehmen "in der Spur" sind und für Branchengrößen attraktiv. Die wenigsten Unternehmen wollen sich Sanierungsfälle ins Boot holen, auch wegen der damit verbundenen negativen Publicity. Also kaufen sie lieber sanierte Firmen und zahlen dafür gutes Geld.
LöschenDie gegenwärtige Lage und die sich abzeichnende zunehmende Verschlechterung spielt Mutares also in die Karten, weil man viel mehr Targets vor die Nase bekommt. "Zum Glück" hat man finanziell aufgerüstet durch die satte Kapitalerhöhung und kann aus dem Vollen schöpfen.
Und die andere Seite? Klar, Mutares will und muss auch als Verkäufer aktiv werden. Und je besser die Börsen laufen und je höher die Multiplen für Unternehmen sind, desto größer der Gewinn. Aber diese Seite ist für Mutares nicht die entscheidende, das muss man verstehen. Bei Mutares liegt der Gewinn im Einkauf! Wörtlich. Der Verkauf muss nicht zwingend erfolgen, weil die Unternehmen, wenn sie saniert sind, ja Gewinne erzielen und diese an Mutares (die Mutter/Holding) abführen. Für den Erfolg einer Transaktion ist nicht der Verkaufszeitpunkt entscheidend. Der "zählt" wiederum nur für den kurzfristig orientierten Börsenkurs, weil zum Stichtag die Bücher geschlossen werden (Quartals- oder Jahresende) und daran dann die Kennzahlen und Einschätzungen festgemacht werden. Dabei ist es für das Unternehmen Mutares völlig egal, ob sie die Tochter ABC GmbH am 30.12. oder am 4.1. verkaufen und dabei €10 Mio. Gewinn einsacken. Für die Börse und das heiß geliebte KGV ist das aber wichtig. Weil selten länger als ein paar Sekunden nachgedacht wird und sich anhand von ein, zwei Kennzahlen ein sofortiges (und meist abschließendes) Urteil gebildet wird. Für "tieferschürfende" Anleger entstehen dann immer Chancen. Denn der Gewinn ist ja nicht weg, sondern er taucht im nächsten Zahlenwerk wieder auf - und dort ist er dann ein zusätzlicher, unerwarteter Beitrag, was die Börse dann wieder (zu sehr) euphorisiert.
Da Mutares zu den attraktiveren Dividendenzahlern gehört, richtet sich der Fokus zunehmend auf die Dividendenhöhe. Und die Frage, ob Mutares auch genügend Unternehmen verkauft hat, damit die Dividenden möglichst üppig ausfällt. Ist nicht so mein Spiel, aber ich bin natürlich mit dabei als Aktionär. Wenn Mutares noch ein weitere Exit gelingt und angesichts der bevorstehenden Dividendensaison könnte der Kurs ordentlich Rückenwind kriegen - wenn der Ukraine-Krieg und die allgemeine Börsenentwicklung dem nicht völlig einen Riegel vorschiebt.
Für mich ist Mutares damit insgesamt eines der attraktiv(st)en Unternehmen, in denen man aktuell investiert sein kann...
Ist die bevorstehende S&P 500-Aufnahme bei Apollo nicht Grund genug, erst einmal investiert zu bleiben?
LöschenMoin Konstantin,
Löscheneine mögliche Indexaufnahme und die damit verbundene höhere Nachfrage nach diesen Aktien ist aus meiner Sicht kein ausreichender Grund, eine Aktie zu kaufen. Das gilt für Apollo Global Management mit der potenziellen S&P 500-Aufnahme genauso wie für Alphabet und Amazon hinsichtlich der möglichen Dow-Aufnahme. Die Indexaufnahme ist vielmehr das Sahnehäubchen oben drauf. Viel entscheidender ist die zugrundeliegende fundamentale Entwicklung der Unternehmen. Und die sieht bei allen dreien positiv aus. Alle drei wachsen, alle drei seigern ihre Umsätze und ihre Gewinne - kurzfristig im Blick auf die aktuelle Entwicklung bei Inflation, Konjunktur, Ukraine-Krieg können sie aber stärker unter Druck geraten. Daher habe ich z.B. APO reduziert. Die Indexaufnahme(n) werden später wieder ein interessanteres Thema...
Hallo Herr Kissig,
AntwortenLöschenWie sieht es aus Ihrer Sicht prognostisch mit Apollo aus, nach den wirklich guten Zahlen, die sich ja momentan nicht im Kurs widerspiegeln. Besten Dank für Ihre Einschätzung.
Apollo Global Management, wie auch Blackstone und KKR, profitieren vom gegenwärtigen Umfeld. Sie sitzen auf viel frischem Geld ("dry Powder"), das sie nun investieren können. Und dafür bieten sich immer mehr Gelegenheiten. Jedes neue Investment erhöht dabei ihren Provisionsstrom.
LöschenAn der Börse herrscht die Angst, dass die Geschäfte künftig nicht mehr so gut laufen werden.
(1.) Weil ein Teil der Provisionseinnahmen Performance-Fees sind, also vom Wert bzw. der Bewertung von Unternehmen abhängt und da die Börsen fallen, sinken diese Bewertungen - und damit die Provisionen aus diesem Teilsegment.
(2.) Höhere Zinsen bedeutet höhere Refinanzierungskosten. Aber vor allem stellen Anleihen und andere Zinsanlagen bei höheren Zinsen eine Alternative zu Risikoassets dar. Auf den ersten Blick. Denn die Inflation von mehr als 5 % drückt die Realverzinsung natürlich ins Minus, so dass der Anleger am Ende des Jahres trotzdem weniger Geldwert hat als vorher. Hier sind dann alternative Anlagenformen gefragt, mit denen sich eine Überrendite (oberhalb der Inflationsrate) erzielen lässt. Und die Pensionsfonds und Vermögensverwalter haben hier kaum Erfahrung, weshalb sie das Geld dann den Alternativen Asset Managern anvertrauen, weil die in diesen Märkten und Assetklassen zuhause sind.
Dass es bei APO, KKR, BX läuft, zeigen nicht nur die Quartalszahlen, sondern auch der Newsflow. Dort ist von großen Übernahmen die Rede und vom erfolgreichen Einwerben frischer Gelder bei Investoren. Das speist die Provisionen und Gewinne von morgen.
"Volatilität ist letztlich positiv für unser Geschäft. Die Geschäfte, die wir in diesem schwierigen Umfeld tätigen, legen den Grundstein für potenziell bedeutende zukünftige Ausschüttungen."
(Stephen A. Schwarzman, Gründer/CEO von Blackstone)
Schwarzman hat es treffend auf den Punkt gebracht: Börsenturbulenzen und Unsicherheit sind die Phasen, in denen die Alternativen Asset Manager bei guten Gelegenheiten öfter und stärker zum Zug kommen. Weil die Preise niedriger sind und weil andere Akteure sich mit Käufen zurückhalten. Früher haben sie vor allem ihr eigenes Geld investiert und damit waren sie viel stärker von der Börsenentwicklung abhängig. Heute investieren sie das Geld anderer Leute und verdienen hieran Provisionen. Die schwanken weniger stark.
Aus diesen Überlegungen heraus habe ich APO und KKR wieder aufgestockt und auch BX als Ergänzung. Bei APO kommt noch die mögliche S&P 500-Aufnahme als zusätzlicher Trigger ins Spiel...
Moin Michael,
LöschenStefan Waldhauser hat vor einiger Zeit einen Artikel über das Risiko „Immaterielle Vermögensgegenstände“ geschrieben.
Daraufhin habe ich mein Depot unter die Lupe genommen und bin bei insgesamt 6 von 18 Unternehmen in meinem Depot auf einen hohen Anteil „Immaterieller Vermögensgegenstände“ in der Bilanz gestoßen.
Es handelt sich um Danaher, Thermo Fisher, Adobe, Hypoport, Nynomic und Sartorius VZ, die einen Anteil von 62 – 89 % Immaterieller Vermögensgegenstände am Anlagevermögen haben. Bei Betrachtung des 5-Jahres-Zuwachses fallen Hypoport und Sea Limited mit 521 % bzw. 2093 % besonders auf (alle Zahlen stammen vom aktien.guide)
Bei den meisten dieser Aktien konnte ich bisher keinen Grund zur Sorge finden, bei Hypoport und Sea Limited allerdings durchaus. Daher meine Fragen an dich:
• Beachtest du diesen Aspekt bei deinen Aktienanalysen und -entscheidungen?
• Ist die Beachtung dieses Risikos bei Beteiligungsgesellschaften wie Danaher überhaupt möglich und sinnvoll?
• Besteht ein erhöhtes Risiko nur bei High-Growth-Werten?
Gruß Isabelle
Moin Isabelle,
Löschendas Thema immaterielle Vermögenswerte ist komplex und kompliziert. Zu ihnen gehören insbesondere Firmenwerte, Patente, Warenzeichen, Marken, Rezepturen, Konzessionen, Lizenzen, Kundenlisten oder Software. Also ein breiter Mix.
Grundsätzlich kann es jede Firma betreffen. Beispiel Marken oder Patente. Nokia war mal die wertvollste Marke im Handybereich. Dann kam BlackBerry und später das Apples Iphone und Nokia war abgemeldet. Dann hat Microsoft (noch unter Steve Ballmer) Nokia übernommen (bis auf das Netzwerkgeschäft), aber der Flop blieb ein Flop und schon nach relativ kurzer Zeit musste man den gesamten Zukauf als wertlos abschreiben - es war der größte Quartalsverlust für Microsoft aller Zeiten, den dann schon Satya Nadella als Ballmer-Nachfolger verkünden durfte.
Richtig ist, dass eine Bilanz mit hohen immateriellen Vermögenswerten unbedingt genauer in Augenschein genommen werden sollte. Denn hier können (versteckte) Abwertungsrisiken lauern, die dann zwar kein Cash abziehen, wenn sie sich als nötig erweisen, aber zulasten des Gewinns gehen und damit ggf. auch das Eigenkapital angreifen.
Bei Adobe als Softwarefirma schlagen hier vor allem die Software und die Marke zubuche. Das ist nicht besorgniserregend, weil Adobes Kunden kaum wechseln (können) und es keine/wenig Anzeichen dafür gibt, dass Adobe seine herausragende Marktstellung an die Konkurrenz verliert oder seine Programme nicht mehr nachgefragt/benötigt werden.
Adobe kauft auch Firmen hinzu und bezahlt meistens mehr als sie zum Kaufzeitpunkt wert sind. Auch dieser überhöhte Kaufpreis fließt in die immateriellen Vermögenswerte mit ein und darin liegt natürlich ein Risiko. Denn wenn sich herausstellt, dass die Firma und/oder ihre Produkte nicht halten, was sie versprochen haben, erweist sie sich als teurer Fehlkauf - und muss abgewertet werden.
Bei Danaher und Thermo Fisher gehören Firmenzukäufe zum Geschäftsmodell und auch bei Nynomic. Dennoch können auch sie sich mal Flops leisten bei Zukäufen und dann droht auch hier Abwertungsbedarf. Ihre Erfolgsquote spricht aber für sich, vor allem bei DHR und TMO.
Bei Hypoport haben wir wieder eine Softwarefirma vor uns, deren größter Wert in ihrer Plattform steckt (EUROPACE). Hier sind in den letzten 10 Jahren massive Investitionen hineingeflossen und dies zeigt sich in immateriellen Vermögenswerten. Da die Plattform stark wächst und klarer Marktführer in Deutschland mit kaum angreifbarer Marktposition ist, lauern hier kaum Abwertungsrisiken. Anders sieht es bei der Versicherungsplattform aus. Auch hier investiert Hypoport seit einigen Jahren sehr viel Geld, aber der Erfolg ist überschaubar. Sollte man auch künftig wenig/kaum Kunden gewinnen, würde sich die Versicherungsplattform als Reinfall erweisen und damit als weniger werthaltig als bisher angenommen. Dann müsste sie konsequenterweise abgewertet werden. Aber... ob das bestehende Risiko sich hier konkretisiert, ist heute noch nicht absehbar. Der Markt ist stark fragmentiert und merklich in Bewegung. Hypoport hat noch alle Chancen, hier erfolgreich zu werden. Allerdings ist das Risiko größer geworden, weil man ursprünglich ja davon ausgehen konnte (und eigentlich sogar musste), dass Hypoport wegen seiner exzellenten Marktstellung mit seiner Immobilienplattform EUROPACE bei Sparkassen und Genobanken der "geborene" Partner für die versicherungsplattform wäre. Aber das wurde ja bekanntlich nun Wettbewerber JDC Group.
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LöschenMan sollte bei immateriellen Vermögenswerten also genauer hinsehen, ob hier ein "echtes" Risiko schlummert. Firmen wie Salesforce, die seit Jahren hauptsächlich durch sehr teure Übernahmen wachsen, stehen nun vor einem Dilemma, denn die Bewertungen der ganzen Branche sind massiv eingebrochen und damit auch die Firmenwerte der zugekauften Firmen in der Salesforce-Bilanz. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in nächster Zeit sehr viele "adjusted" und "bereinigte" Ergebniszahlen von Unternehmen vorgelegt bekommen, wo man dann ebenfalls genau(er) hinsehen sollte, was denn da bereinigt wurde.
Immaterielle Vermögenswerte sind ein beachtenswertes und nicht ganz einfaches Themenfeld...
Moin Michael,
Löschenerstmal wieder vielen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen. Besonders bei Hypoport ist mir das Risiko, das in den immateriellen Vermögenswerten steckt, dadurch nochmal klarer geworden. Sie gehörten eh schon zu den Werten in meinem Depot, die ich kritisch beobachte. Jetzt warte ich noch die HV ab und entscheide mich dann weiter. Mein Depot ist schon ziemlich aufgeräumt mittlerweile, es war nicht schön, die hohen Verluste zu realisieren, aber jetzt bin ich deutlich zufriedener mit „meinen“ Aktien.
Gruß Isabelle
Moin Isabelle,
Löschensich einzugestehen, dass man falsch lag, ist schon eine große emotionale Hürde; zumal, wenn man die Verluste realisieren muss. Meiner Erfahrung nach fühlt man sich dann aber besser, geradezu befreit. Man kann die Verluste abhaken und nach vorne schauen. Sich dabei mit den begangenen Fehlern auseinanderzusetzen, ist schon wichtig, um sie nicht noch einmal zu begehen. Und, wie Du richtig schreibst, sollte man nur Aktien im Depot haben, mit denen man sich wirklich wohl fühlt.
Moin Michael,
Löschenda ich nicht davon ausgehe, dass du heute mittag einfach die Nerven verloren hast und deshalb so einiges aus deinem Nebenwerte-Wiki verkauft hast, meine Frage: Gehe ich recht in der Annahme, dass du in den nächsten Tagen/Wochen mit weiter stark fallenden Kursen insbesondere am deutschen Aktienmarkt rechnest? Durch einen zu befürchtenden Gasnotstand werden ja wahrscheinlich nicht nur die direkt betroffenen Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen! Und die gesamte politische und wirtschaftliche Lage in der Welt lässt leider sowieso nicht viel Gutes erwarten...
Gruß Isabelle
Moin Isabelle,
Löschenob ich die Nerven verloren habe, wird die Zeit zeigen. Meine Verkäufe im Depot und im Nebenwerte-Wiki haben genau den von Dir vermuteten Grund: Das heutige Auslösen der Alarmstufe im Gas-Notfallplan. Zwar wurde wohl auf Habecks Wunsch hin von der BNetzA noch nicht "förmlich festgestellt", dass viel zu wenig Gas nach Deutschland geliefert wird, so dass momentan die Gaspreisexplosion komplett bei den Energierversorgern hängen bleibt (und diese damit Richtung Insolvenz treibt), aber sofern Putin nicht umgehend den Gashahn wieder aufdreht, wird diese förmliche Feststellung wohl in den nächsten Tagen erfolgen müssen. Das löst dann reale Folgen aus, denn ab dem Moment dürfen die Energieversorger ihre massiv gestiegenen Einkaufspreise für Gas an ihre Kunden weiterbelasten - mit einer Preisanpassungsfrist von 1 Woche. Das wird dann zu erheblichen Verwerfungen führen, weil sich gerade finanzschwache Haushalte so eine Gaspreisver-X-fachung überhaupt nicht leisten können.
Es droht aber noch die dritte Stufe des Notfallplans. In der würde die Gasmangellage festgestellt und die Energieversorger (also die Endkundenverkäufer wie Eon, Stadtwerke usw.) würden kaltgestellt und die BNetzA übernimmt dann die Gasverteilung in Deutschland. Privathaushalte zuerst, Industrie zuletzt. Und genau das ist das Katastrohenszenario!
Einfach mal die Meldung von BASF ansehen, was die bzgl. ihres Stammwerks in Ludwigshafen gesagt haben: umgehende Komplettabschaltung. Und das bleibt dann aus, bis wieder genug Gas vorhanden ist. Die wirtschaftlichen Folgen für BASF und alle, die von deren Produkten abhängig sind, kann man sich ja vorstellen.
Deutschland war der größte Profiteur der Globalisierung. Die wird nun teilweise zurückgedreht und Deutschland leidet stark. Deutschland hat keine Rohstoffe und ist bzgl. Energie (Gas, Öl, Kohle, Uran) komplett von Russland abhängig. Auch hier wird Deutschland der große Verlierer sein, während die USA autark sind und enorme wirtschaftlichen Vorteilen gegenüber Deutschland und der EU entgegensehen.
Wie schlimm es wirklich wird, wen es konkret am schlimmsten trifft und wer vielleicht die Grätsche macht oder gar profitiert, ist kaum abschätzbar. Ich habe daher Teilverkäufe im Wiki vorgenommen, um das Risiko zu senken. In meinem Depot habe ich mir zur zusätzlichen Absicherung sogar einen DAX-Put "eingefangen".
Ich will keine Panik verbreiten und glaube auch nicht, dass man jetzt alle Aktien verkaufen muss. Aber das Chance-Risiko-Verhältnis für Europa und vor allem für Deutschland hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Das kann und will ich nicht ignorieren. Andererseits werden sich Wirtschaft und Unternehmen auf die neue Lage einstellen. Ich werde mir genau ansehen, wie die einzelnen Firmen getroffen werden und wie sie damit klarkommen. Und dann ggf. meine Positionen reduzieren oder aufstocken, je nachdem. Aber, wie gesagt, momentan ist das alles noch vage, was da wirklich auf uns zukommt. So etwas hat es noch nie gegeben. Ist vielleicht mit dem politisch gewollten Runterfahren der Wirtschaft in 2020 zu vergleichen. So kann es werden, muss es aber nicht.
P.S.: Ich wollte das eigentlich am Wochenende in einem ausführlichen Artikel alles nochmal darlegen; das Wesentliche habe ich ja nun schon mal vorab rausgehauen...
Vielen Dank für die klaren Worte, Michael. Mir geht es schon länger auf den Geist, wenn von nicht wenigen „Aktienexperten“ immer noch nur Beschwichtigungen kommen, nach dem Motto: Crash und Bärenmärkte gab es schon immer, da müssen wir nur durchhalten. Da wird doch so einiges übersehen, was momentan los ist: ein Krieg, der immer weiter eskaliert und bei dem keine Ende abzusehen ist und ein schnell voranschreitender Klimawandel mit seinen bekannten Folgen. Das alles zur Kenntnis zu nehmen, ist keine Schwarzmalerei, sondern eine realistische Sicht auf die aktuelle Lage. Aber die Konsequenzen für’s eigene Aktiendepot sind trotzdem schwer zu ziehen …
LöschenGruß Isabelle
Hallo Michael, nutzt du deinen Wertpapierkredit immer noch oder jetzt runtergefahren?
LöschenDer DAX-Put mit Hebel ist ja auch wie ein Kredit.
Ja, ich nutze den Wertpapierkredit noch. Stand heute hat sich das nicht gelohnt (ging ja erst letzten Herbst los). Den DAX-Put habe ich mir nicht als Spekulation auf fallende Kurse gekauft, sondern als Versicherung gegen einen starken Kurseinbruch. Sollte der Fall eintreten (Gasmangellage), dürfte es kräftig runterrauschen mit den deutschen Aktien und dann vermutlich auch wieder besonders stark im Nebenwertebereich. "Mein Plan" ist, dann die aufgeblähten Mittel aus dem Verkauf des DAX-Puts zum Wiederaufstocken der Nebenwerte zu nutzen. Ob das so aufgeht und ob ich emotional dann gefestigt genug bin, zum richtigen Zeitpunkt den Put zu verkaufen und Nebenwerte zu kaufen, bleibt abzuwarten. In der Theorie klappt das bestimmt, in der Praxis vielleicht nicht...
LöschenHallo Herr Kissig,
Löschenmich würde interessieren, welchen Put Sie genau gekauft haben? Könnten Sie vielleicht die WKN oder eine andere Nummer uns mitteilen?
Gruß
Matthias
Moin Matthias,
Löschenich habe mich für ein endlos laufendes Knock-Out-Zertifikat auf den DAX entschieden mit einem Basiswert von 15.967 Punkten, also ganz weit "aus dem Geld". Es ist der Citi TurboBear OpenEnd DAX mit der WKN: KE9F7S.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenda du ja bekanntermaßen einen Fokus auf Beteiligungsgesellschaften legst, würde mich deine aktuelle Einschätzung zu MPH Health Care sehr interessieren. Wie ich gesehen habe, hast du vor 10 Jahren hier auf deinen Blog schon einmal näher damit beschäftigt. MPH wird ja öfters als sehr günstig bewertete Aktie (bis zu 50 Prozent unter NAV) mit zukunftsträchtigen Beteiligungen empfohlen. Du warst damals aber in deinen Beiträgen insbesondere wegen der Rolle des Mehrheitsaktionärs Magnum sehr skeptisch. Wie beurteilst du denn heute die Aussichten von MPH? Vielen Dank für deine Einschätzung! Beste Grüße, Tom
Moin Tom,
Löschenich meide Unternehmen sämtliche aus dem Dunstkreis der Magnum und kann deswegen auch keine Einschätzung zu diesen Werten abgeben.
Hintergrund: Haemato war mal die Windsor AG und ein Immobilienunternehmen - mit einer Tochter namens MPH, das im Pharmabereich tätig war und hohe Dividenden liefern sollte. Und zwei weiteren Pharmatöchtern, Pharmigon und Simgen (eine wurde später in Haemato umbenannt, glaube ich). Dann wurde - nach heftigen Misserfolgen bei der Windsor - schlagartig das Immobilienbusiness verkauft und die Windsor übernahm das Pharmageschäft der Haemato und der anderen Pharmatöchter. Das Immobilienunternehmen wurde mal eben so zum Pharmaunternehmen! Und der Immobilienbereich ausgegliedert und verscherbelt. Am Ende dieses ganzen Kuddelmuddels war auf einmal die MPH war die Mutter der Haemato/Windsor.
Die Aktionäre waren dem Hin- und Hergeschiebe der Assets/Beteiligungen schutzlos ausgeliefert und den besten Schnitt zu jedem Zeitpunkt hat immer die Magnum gemacht. Weiß nicht, ob ich die inzwischen Jahre zurückliegenden Vorgänge korrekt zusammengefasst habe, aber für mich ist seit jener Zeit klar, dass ich mit diesen Leuten (Magnum) keine Geschäfte mehr machen möchte. Als Aktionär bin ich denen nicht wichtig, die agieren ausschließlich aus Eigennutz.
P.S.: Die Windsor AG war das erste Unternehmen, das ich hier im Blog besprochen habe (Dezember 2011). Ich habe also meine persönlichen Erfahrungen mit der Magnum gemacht, auch als herumgeschubster Aktionär ihrer Beteiligungen.
Tut mir leid, dass ich Dir nicht wirklich weiterhelfen kann mit Deiner Frage zu MPH...
Wollte mir gerne Ares Capital ins Depot legen aber leider nicht möglich:-(
AntwortenLöschenHerausgefunden habe ich das BDCs in Europa nicht mehr handelbar sind, vermutlich sind sie teilweise als nicht MIFID2-konform klassifiziert...:-(
BDCs sind sehr wohl in Europa handelbar. Manche Broker machen es sich nur zu einfach und stufen sie (eigenmächtig) als AIF (Alternative Investment Fonds) ein und unterbinden den Handel für ihre Kunden.
LöschenNach meiner Vorstellung der BDC FS KKR Capital hier im Blog hatten wir eine lange Diskussion mehrere Leser (bitte mal die Kommentare ansehen) und über mehrere Tage verteilt und durch die gestiegenen Nachfragen bei ihren Brokern wurde die BDC "auf einmal" bei immer Brokern handelbar. Es liegt also definitiv an Deinem Broker, dass der BDCs blockt!
Ares Capital ist eine der größten BDCs weltweit, ein Milliardenunternehmen, und keine windige Klitsche. Schon gar nicht die dahinter stehende Private Equity Firma, die auf Augenhöhe mit Blackstone oder KKR agiert...
Also bei der Comdirect ist das mit Ares,HTGC und FS KKR kein Problem mit handeln. Ares bespare ich zudem bereits seit 2 Jahren im Rahmen eines Aktiensparplanes.
LöschenWenn eine Bank behauptet, BDCs seien nicht MIFID2-konform und könnten deshalb in Europa nicht gehandelt werden, dann einfach bei einer anderen Bank ein Depot eröffnen! Bei den meisten Depotbanken in Deutschland sind BDCs problemlos handelbar - auch zum Beispiel bei den kostengünstigen Neobrokern.
LöschenHallo Michael, das Durchhalten bei Genworth Financial hat sich ja gelohnt. Du hattest 5,40 USD auch mal als Ziel ausgegeben, das jetzt fast erreicht ist. Bist du hier weiter positiv für den Wert? Vielen Dank, Michael.
AntwortenLöschenBei meiner Turnaround-Spekulation Genworth Financial ist vieles so gekommen, wie ich es Anfang 2016 erwartet hatte, als ich zum ersten Mal dort zugegriffen habe. Das Oceanwide-Übernahme-Drama gehört nicht dazu und die dadurch verursachte jahrelange Hängepartie ebenso wenig und auch nicht die Fehlkalkulationen. Aber dass sich das Business stabilisiert, dass die nötigen Abschreibungen verdaut und dass steigende Zinsen zu einem verbesserten Businesscase führen werden. Also mal so über den großen Daumen gepeilt.
LöschenDass Genworth aktuell recht gut dasteht liegt auch daran, dass man sich von Töchtern getrennt hat. Im Grunde ist nur noch die US-Hypotheken-Versicherungstochter übrig geblieben ("Enact"), an der GNW noch 81,6 % hält. Und das ist meines Erachtens momentan der Hemmschuh: das Versicherungsbunsiness läuft recht solide, aber das Geschäft mit Hypothekenversicherungen ist stark zurückgegangen - klar, denn wenn die Immomarkt schwächelt, die Preise fallen, aber kaum Leute Immobilien kaufen (wegen der deutlich gestiegenen Zinsen), dann schließt auch kaum jemand Hypothekenversicherungen ab. Da GNW einen so hohen Anteil an Enact hält, dürften deren zu erwartenden schlechteren Geschäftszahlen sich auch bei GNW bemerkbar machen. Das könnte für Druck auch auf den GNW-Aktienkurs sorgen. Andererseits wäre das vielleicht eine gute Chance, sich dann nochmal bei GNW einzudecken. Denn grundsätzlich läuft der Turnaround, wenn man auch weiterhin viel Geduld mitbringen muss.
Die Marke von 5 USD, an der der Kurs gerade wieder notiert, ist schon wichtig für die GNW-Aktie. 2011, 2012 und 2015 als Unterstützung, dann nach dem Absturz darunter ab 2016 immer wieder als Deckel. Wenn der nachhaltige Ausbruch über diese Marke gelingen würde, wäre das schon ein starkes Kaufsignal mit Luft bis 9 USD. Jedenfalls nach meiner wenig professionellen Chartleseexpertise.
So oder so, GNW steht besser da als es in den letzten Jahren der Fall war und wird von steigenden Zinsen bzw. einem erhöhten Zinsniveau profitieren.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenerstmal vielen herzlichen Dank für deinen mega-starken Finanzblog. Ich schaue immer wieder gerne rein und konnte schon verdammt viel mit mitnehmen. Da ich auch etwas Old-school mäßig ticke, habe ich auch mit der Textlastigkeit keinerlei Probleme. Weiter so!
Die älteren Beobachtungslisten scheinen zu verschwinden, wenn Du eine aktuelle reinstellst...
So konnte ich gar nicht schauen, wieviel Dividende Du zuvor gleich mit der ersten Position 3U-Holding bislang eingesammelt hattest. Aber das dürften bislang nur Cent-Beträge (pro Aktie) gewesen sein. Jetzt nach der Hammerdividende von 3,20 Euro, sind in Summe 5,10 Euro eingetragen - vermutlich ein Kommafehler bei den Altdividenden. Aber das nur am Rande.
Noch schönes Restwochenende
Heiko
Moin Heiko,
Löschenich habe immer nur die aktualisierte Fassung der Beobachtungsliste online. Und Du hast Recht, bei der Dividende von 3U Holding ist mir ein Rechenfehler unterlaufen, es waren zuvor 0,19 Euro angefallen, nicht 1,90, so dass es statt 5,10 Euro nun insgesamt 3,39 Euro heißen muss. Hab's korrigiert - danke für den Hinweis!
Hallo Herr Kissig, ich lese seit Jahren ihren Blog regelmäßig und möchte einmal Danke sagen! Ich finde ihre Ideen und Anregungen häufig sehr gut. Und sie beobachten häufig ähnliche Aktien wie ich. Das macht es spannend, einmal eine andere Sichtweise zu sehen. Sehr bereichernd! Erlauben Sie eine Frage: Sie haben auch einmal über Fairfax Financial und Markel geschrieben, meine ich mich zu erinnern. Nun halte ich persönlich gerade Fairfax Financial für sehr spannend. Zum einen ist die Aktie mit dem 0,9 fachen Buchwert sehr günstig bewertet. Zum anderen prognostiziert Prem Watsa pro Jahr 3 Milliarden Dollar Gewinn jährlich für die nächsten paar Jahre. Und weiteres Wachstum ist mit Übernahmen, die derzeit stattfinden, bereits in der Pipeline, bzw. seit Jahresanfang geschehen. Und bei den 3 Milliarden $ ist noch nicht einmal das Aktien-Portfolio, jedenfalls nicht die Anstiege der Kurse, berücksichtigt. Am Ende läuft es auf einen Return on Equity um die 20 % +/- hinaus. Also ein rechnerisches KGV um 5. dazu kommt, dass FF auch eine Relative-Strengths-Aktie ist und dieses Kahr 20% im Plus liegt. Im vergangenen Jahr war FF einer der Best-Performer in Kanada.
LöschenVielleicht haben Sie die Aktie ja etwas aus den Augen verloren und dieser kleine Post macht sie neugierig? 😉 falls Jahr würde ich mich natürlich sehr freuen, ihre Meinung dazu zu lesen. Oder gibt es ein Grund, warum sie per Fax financial für sich persönlich aussortiert haben? Frohe Pfingsten und Gruß aus Hamburg nach Hamburg.
Fairfax Financial... das ist viele Jahre her, dass ich mich mit dem Unternehmen und Prem Watsa mal näher befasst habe. FF hat jahrelang underperformt und das starke Engagement bei BlackBerry finde ich nach wie vor nicht überzeugend. Davon abgesehen habe ich die Entwicklung in den letzten Jahren nicht mehr wirklich verfolgt über bloße Schlagzeilen hinaus. Deine Darstellung klingt allerdings durchaus reizvoll und vielleicht nehme ich mir das Unternehmen ja nochmal vor...
LöschenBlackberry ist sicherlich nicht der beste Move von Watsa gewesen; macht aber auch nur noch einen Bruchteil der Aktieninvestments aus (ca. 150 Mio. Dollar; unter 1% des Buchwertes von FF ). Er hat aber auch jüngst einen Versicherungsbereich für - aus der Erinnerung - 1,x Mrd. Dollar verkauft, die er ca. 15 Jahre zuvor für 30 Mio. Dollar gekauft hatte. Das Unternehmen hat sich kolossal geändert und wieder zurück in die Spur gefunden:
Löschen59 Mrd. an Investments, darunter ein gewaltiges, mit einer Combined Ratio von 94% profitables (auch das war ja nicht immer so…) mittlerweile weltweit (… wirklich weltweit!) diversifiziertes Versicherungsgeschäft mit starkem Wachstum (das mit Abstand stärkste in den letzten Jahren). Die Aktie wird mit 720 Dollar gehandelt, wobei je Aktie etwa doppelt so viel Float „arbeitet“ und mittlerweile dank der gestiegenen Zinsen ordentliche Einnahmen produziert (insgesamt repräsentiert jede Aktie 2.400 Dollar an Investments). Gleichzeitig wurden innerhalb von 5 Jahren 16% der ausstehenden Aktien zurückgekauft.
Dazu als Perle Fairfax India. Auch die Aktien-Investments schneiden nicht so schlecht ab; das gesamte Portfolio von über 12 Mrd. Dollar hat wegen der Valueausrichtung in letzter Zeit profitiert. Wenn man das Aktienportfolio (Stand Ende 2022) vom Marktwert (17 Mrd) abzieht, so bekommt man für 5 Mrd. Dollar das komplette, wachsende, profitable Versicherungsgeschäft 31+ Mrd. Dollar) sowie die Zinseinnahmen desselben und die Einnahmen aus dem Management von Fairfax India + x.
Fairfax war durch den Deflationshedge lange auf der Bremse und man hatte FF komplett abgeschrieben; ich denke, daher ist es immer noch so unbeobachtet. Aber wenn FF tatsächlich 3 Mrd. Dollar/Jahr an Earnings produziert, dann sind 17 Mrd. Marktkapitalisierung einfach nicht adäquat. Wenn der Share-Preis da bliebe, wo er heute ist, dann kann Watsa in 7 Jahren sämtliche ausstehenden Aktien aus den Gewinnen zurückkaufen (Steuern und Aktiengewinne von FF nicht berücksichtigt ). Oder er lässt es stumpf auf dem Konto liegen und in 3-4 Jahren notiert FF bei 0,5 PB. Ist meine stärkste Position aktuell.
Übersehe ich etwas?
Hallo,
Löschenleider weiß ich auch nicht genau wie man Versicherungsunternehmen bewertet. Aber besonders das KGV oder der Gewinn pro Aktie ist hier nicht aussagekräftig. Da diese sehr schwanken aufgrund von Schadensfällen und natürlich auch von den Aktiengewinnen oder ihren Investments stark beeinflusst werden. Besser ist hier normalerweise der Free Cashflow. Aber auch der schwankt bei Versicherungsunternehmen deutlich stärker und muss je nach Versicherungsunternehmen ja irgendwann wieder teilweise zurückgezahlt werden z.b. bei Lebensversicherungen. Deshalb wird bei manchen Versicherungsunternehmen wie z.b. Markel der Buchwert herangezogen für die Bewertung. Leider kann ich hier nur begrenztes Halbwissen beitragen. Aber hoffe das hilft dir ein wenig. Meiner Meinung nach kommt es stark auf das Versicherungsunternehmen an und in welchem Bereich es tätig ist. Wie z.b. Krankenversicherungen, Lebensversicherung usw.
Sry war nur der Versuch einer Erklärung.
Vielen Dank. Mit der Bewertung von Versicherungsunternehmen kenne ich mich grundsätzlich sehr gut aus. Seit etwa anderthalb Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Berkshire, Markel, Fairfax Financial, Protektor Forsikring etc. Whitney Tilson hat eine gute Methode entwickelt (bzw. eine vorhandene Methode promotet und als regelmäßige PPT aufbereitet). Die kann man gut googeln. „Sum of the Parts“. Book value ist gut, um einen ersten groben Eindruck zu bekommen, ja.
LöschenViele Grüße aus Hamburg
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich habe eine Frage zu deiner Position DIC Asset auf der Beobachtungsliste. Seit Aufnahme hast du aktuell -39% Performance. Die jährliche Rendite ist aber noch leicht positiv. Rechnet deine Tabelle falsch oder sind hier Dividenden berücksichtigt, die das Ergebnis noch leicht positiv darstellen? Die nicht so technische Frage lautet: wie siehst du die Firma aktuell bewertet und kommt für dich ein Ausbau der Position in Frage? Viele Grüße, Joachim
Moin Joachim,
Löschenrichtig, die durchschnittliche Rendite p.a. bezieht sich auf die Spalte davor, wo die Gesamtrendite (Kursentwicklung inkl. Bruttodividenden) aufgeführt ist.
Die DIC Asset (bald Branicks Group) steht finanziell angeschlagen dar und 'plündert' gerade ihre viel zu teuer übernommene Tochter VIB Vermögen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Das sieht nicht vielversprechend aus. Ich habe das Thema als Antwort auf eine Leserfrage ausführlich vor vier Wochen hier beantwortet: 'Siehst du DIC Asset inzwischen auch als gefährdet an oder glaubst du noch an deren Geschäftsmodell und Finanzierungsstärke?'. Der letzte Schachzug mit der Darlehensüberlassung von der VIB an die DIC würde ich unter dem Label Verzweiflungstat einstufen. Die DIC Asset erkauft sich damit Zeit und finanziellen Spielraum, während die VIB ihrer Chancen beraubt wird. Als VIB-Aktionär würden mir die Tränen kommen, vorsichtig ausgedrückt.
Ich habe in den letzten Tagen mehrfach die hawaiianische Investorin Mariko Gordon zitiert und greife mal das mal hier auf: "Einfachheit ist die Maxime - wenn Du es nicht verstehst, verlierst Du Geld damit". Und "Wenn es unverständlich ist, ist es auch uninvestierbar". DIC Asset hat Vermögenswerte in die VIB verschoben und dafür einen (viel zu?) hohen Wert angesetzt. Und nun hat man sich zu 'marktüblichen' (???) Konditionen Geld von der VIB geliehen - die VIB Vermögen kann deshalb (!) also aktuell nicht die sich bietenden Chancen am Markt wahrnehmen und strauchelnde Logistikobjekte von Wettbewerbern übernehmen, weil ihr Geld jetzt bei der DIC Asset betriebsinterne Finanzbrände löschen muss. Die Manöver der DIC Asset sind insofern zwar durchaus "verständlich" im Sinne von nachvollziehbar, aber das macht sie noch lange nicht zu guten Manövern, sondern dennoch zu Verzweiflungstaten.
Meine klare Antwort: Unter diesen Prämissen sind für mich aktuell weder die DIC Asset noch die VIB Vermögen investierbar. Geld in eine 'Black Box' zu werfen, ist kein Investmentcase, sondern reines Zocken. Dass ich beiden Unternehmen ganz fest die Daumen drücke, dass sie diese Krise überstehen, ändert an meiner Einschätzung natürlich nichts.
Hallo Michael, die aktuellen Real-Markt Risiken werden mMn an der Börse noch nicht vollständig abgebildet, die Börse scheint von einer Erholung nach dem Sommer auszugehen. VCI schreibt jedoch: "Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechterte sich zuletzt dramatisch. Der Auftragsmangel macht mittlerweile allen Branchen zu schaffen. Auch in der Chemie- und Pharmaindustrie hat sich die Stimmung zuletzt deutlich eingetrübt. Die Hoffnung auf eine allmähliche Erholung im zweiten Halbjahr besteht nicht mehr." (Quelle: https://newsletter.vci.de/a/a.aspx?nlkey=TY4OqX89RIS78Tey1FXA150OGRZ8H6). Klar ist Chemie nicht der ganze Markt, und die Börse bildet die Zukunft ab, aber doch ist mMn gerade die Auftragslage dieser Branche ein guter Indikator dafür, wie es dem gesamten Markt demnächst gehen wird (alles, was wir konsumieren trägt zum Umsatz der Chemiebranche bei). Wäre dies nicht ein Grund derzeit etwas mehr Cash zu halten, als sonst üblich, bis die Auftragslage der Industrie im In- und Ausland besser wird oder bleibst Du dennoch optimistisch für die zweite Hälfte des Jahres?
AntwortenLöschenMoin Konstantin,
LöschenAktien (alleine) wegen makroökonomischer Faktoren zu kaufen oder verkaufen ist selten zielführend. Wirtschaftsprognosen sind ganz überwiegend falsch, was man in der Rückschau prima sehen kann, auch wenn sie zumeist plausibel klingen. Und in den Unternehmen, an denen ich beteiligt bin, gibt es ein fähiges Management, das sich genau mit diesen Faktoren beschäftigt und das Unternehmen entsprechend anpasst/ausrichtet. Wenn ich dem Management das nicht zutraue, bin ich im falschen Unternehmen investiert. Und wenn ich glaube, die Einschätzung besser vornehmen zu können als das Management, wo doch die ganzen 'Experten' ständig falsch liegen mit ihren Annahmen, dann würde das irgendwie schon an Größenwahn grenzen, oder nicht?
Wer Aktien verkauft, um Cash für einen möglicherweise zukünftig eintretenden Fall von niedrigeren Kursen bereit zum Wiedereinstieg zu sein, vernichtet nach meiner 35-jährigen Börsenerfahrung Rendite. Es ist nur eine andere Form des Markttimings und damit verdient fast niemand Geld; allenfalls mal mit viel Glück, aber selten öfter oder gar dauerhaft. Ausführlich habe ich mich damit hier beschäftigt: "Ist eine hohe Cash-Quote für günstige Gelegenheiten wirklich eine gewinnbringende Idee?".
Meine Cashquote steigt eigentlich nur insoweit an, als dass ich meinen monatlichen positiven Cashflow nicht immer sofort investiere, sondern hierfür auf besondere Gelegenheiten warte. Aber eher nicht aus Makrosicht, sondern wenn ein Unternehmen auf meiner Wachtlist 'zufällig' gerade mal günstig zu kaufen ist.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich beobachte und interessiere mich seit einiger Zeit für die GFT Technologies SE.
In deinem BLOG konnte ich einige Infos zum Unternehmen auffinden. Und das Unternehmen
selbst hatte in den Jahren 2017-2019/2020 nicht gerade geglänzt. Seit rund drei Jahren
scheint es jetzt wieder "gleichmässiger" voran zugehen. Hast du in letzter Zeit wieder mal einen Blick auf das Unternehmen geworfen. Viele Grüße, Frank M.
Moin Frank,
LöschenSoftware gehört nicht zu meinem inneren 'Circle of Competence', deshalb tue ich mich schwer mit Analysen und Einschätzungen in diesem Sektor. GFT hatte ich mal als spekulative Depotbeimischung an Bord, aber das ist viele Jahre her und ging auch nicht gerade gut aus. Seitdem hab ich mir das Unternehmen nie wieder genauer angesehen. Ich hab mich stattdessen auf Profis eingelassen, die sich in dem Metier bestens auskennen: Roper Technologies. Damit fühle ich mich sicherer.
Habe vielen Dank für deine Rückmeldung. Mit deiner Aussage zum "CoC" triffst du den Nagel auf den Kopf und erinnerst uns wieder daran, dieses sehr wichtige Gebot nicht aus dem Auge zu verlieren.
LöschenIch habe noch eine andere Frage: Blue Cap AG. Hat ja seinen langjährigen CEO quasi verloren. Hr. von Kottwitz wird die Stelle übernehmen. Da er bisher im Aufsichtsrat tätig war, sollte man den Eindruck haben, dass er das Unternehmen sehr gut kennt.
Wenn ich mir seinen Werdegang ansehe, bin ich mir nicht so ganz schlüssig, ob er dauerhaft die Position bei der Blue Cap übernehmen wird. Wie schätzt du das ein?
Danke dir und Grüße, Frank M.
Großes Lob für Deine Arbeit, die ich seit Jahren sehr schätze. Eine Anmerkung: Ich weiß, dass Du Versicherungsaktien, gerade den deutschen, immer kritisch gegenüber gewesen bist und deshalb nie auf Deiner Beobachtungsliste waren. Aber, muss man nicht seine Meinung ändern, wenn sich die Umstände ändern ? Lt. Bloomberg sehe ich aktuell folgende 12-Monate-Performances: Allianz 44.10% / Hannover Rück 42.15% / Münchener Rück 55.89% / Talanx 67.01%.
AntwortenLöschenIch stehe nicht allen Versicherungsunternehmen kritisch gegenüber, sondern vor allem den deutschen. Ich freue mich, wenn jemand mit Allianz oder Münchener Rück endlich mal Geld verdient, aber auf lange Sicht waren und sind die Dinger Geldvernichter. Die Allianz notiert mit 230 Euro heute noch immer nur bei knapp der Hälfte ihres Kurses aus 2000. In der Zwischenzeit gab es Dividenden, klar, aber die wurden von der Inflation (und Steuern) mindestens überkompensiert. Bei der Münchener Rück sieht es besser aus, die hat beinahe ihr 2000er Niveau wieder erreicht. Wüstenrot & Württemberigsche? Die notiert mit 15 Euro bei einem Drittel des 2000er Kurses.
LöschenIch habe hingegen Berkshire Hathaway im Depot und die notiert beim Siebenfachen des 2000er Kurses. Keine Dividenden, klar, aber das spielt kaum eine Rolle, oder? Und ich habe seit Herbst 2020 Kinsale Capital im Depot, die liegt seitdem 135 % im Plus.
Es kommt eben drauf an und deutsche (oder auch europäische) Versicherungsaktien sind für mich hier keine erste Wahl...
Einen interessanten Blick auf Versicherungen (hier im Fokus die Allianz und als seine Alternative Fairfax Financial) bietet Reimer Scholz von Bavaria Industries in seinem Blog-Beitrag "Allianz - noch ein tönerner Koloss?". Scholz erklärt, weshalb die Allianz risikobehafteter ist und schlechter performt hat; Prädikat lesenswert.
LöschenP.S.: Fairfax Financial habe ich natürlich auch im Depot. ^^
Es kommt aber auch darauf an, welchen Zeitraum man betrachtet: am 31. März 2003 hat die Allianz ein Low von 40,27 Euro markiert. Seitdem hat sie also nicht nur ordentlich im Kurs performt, sondern auch noch insgesamt 122,60 Euro an Dividenden (brutto) bezahlt. Alles eine Frage der Perspektive
AntwortenLöschenKlar, man kann sich immer einen beliebigen Startpunkt suchen und je nachdem die Rendite schön- oder schlechtrechnen; im Grunde sollte man mehrere Jahre wählen und den Durchschnittswert ermitteln, dann kommt man näherungsweise auf ein "faires" Ergebnis. Die Dividenden mussten versteuert werden, dann blieben nur 89 EUR übrig. Für den 31.03.2003 wird mir ein Kurs von 41 EUR für die Allianz ausgeworfen verglichen mit aktuell 226 EUR. Inkl. 89 EUR Dividenden. So gesehen das Siebeneinhalbfache.
LöschenDer Aktienkurs der Berkshire A-Aktie stand am 31.03.2003 übrigens bei 63.800 USD und aktuell bei 537.000 USD, also dem knapp Achteinhalbfachen. ;-)
Ergänzung zum Renditevergleich: Das Tief von Berkshire (A) lag nicht im März 2003, sondern Ende Januar 2000 und zwar bei 41.300 USD. Damals stand die Allianz-Aktie bei 304 EUR. Von diesem Startpunkt aus betrachtet hat die Allianz inkl. der Nettodividenden gerade einmal 10 EUR je Aktie "verdient". Das sind weniger als 3,5 % in 23,5 Jahren. Die Berkshire-A-Aktie hat sich in diesem Zeitraum auf 537.000 USD glatt verzwölffacht (+1.100 %). Ich denke nicht, dass es eine wirkliche Entscheidungsalternative zwischen den beiden gibt und auch nicht zwischen BRK und den übrigen deutschen/europäischen Versicherungsaktien. ;-)
LöschenDann sind wir ja nah beieinander. Außerdem hat man bei einem Investment in Berkshire ein Währungsrisiko. Letzteres spüre ich übrigens aktuell deutlich bei meinem langjährigen Investment in Holmen. Sehr gute Firma (Value-Titel), aber die Schwedenkrone nahe am Alltime-Low.
AntwortenLöschenKlar, US-Aktien haben immer Währungsrisiken.
LöschenZum Renditevergleich: Das Tief von Berkshire (A) lag nicht im März 2003, sondern Ende Januar 2000 und zwar bei 41.300 USD. Damals stand die Allianz-Aktie bei 304 EUR. Von diesem Startpunkt aus betrachtet hat die Allianz inkl. der Nettodividenden gerade einmal 10 EUR je Aktie "verdient". Das sind weniger als 3,5 % in 23,5 Jahren. Die Berkshire-A-Aktie hat sich in diesem Zeitraum auf 537.000 USD glatt verzwölffacht (+1.100 %). Ich denke nicht, dass es eine wirkliche Entscheidungsalternative zwischen den beiden gibt und auch nicht zwischen BRK und den übrigen deutschen/europäischen Versicherungsaktien. ;-)
Der Vergleich hinkt massiv: Berkshire schüttet keine Dividenden aus, der Compound ist also intern. Allianz schüttet Teile des Gewinns aus, für einen Vergleich muss man deshalb die Annahme treffen, dass die Dividenden wieder angelegt werden. Genau das tut Bloomberg mit seiner "TRA" (Total Return Analysis) Funktion. Da sehe ich z.B. in der 10-Jahres-Analyse folgendes: Allianz 12.05% p.a. / Berkshire A 11.98% p.a. Bei den 5 Jahren: Allianz 8.52% p.a./ Berkshire A 10.49% p.a.
LöschenKlar ist die Dividende zu versteuern (wobei es auch Investoren gibt, die eine NV-Bescheinigung haben). Ich will nur darauf hinaus, dass die dt. Versicherungen nicht so schlecht sind (v.a. MUV2 und die Hannover) wie hier impliziert wird. Das Hauptproblem bei der Allianz lag wirklich damals im Absturz zwischen dem High am 4.4.2000 bei EUR 402,66 und dem Low am 31.3.2003 bei EUR 40,26. Wer also im Jahr/vor 2000 investiert hat, dessen Bilanz ist nicht gut. Nach 2003 schaut es deutlich besser aus.
Nein, der Vergleich hinkt leider nicht, Du rechnest Dir das schön. Bei Berkshire verbleibt der Gewinn im Unternehmen und wird dort wieder reinvestiert: Compunding in Perfektion. Bei der Allianz wir ein erheblicher Teil des Gewinns als Dividende ausgeschüttet; dabei verliert der Anleger schon mal immer wieder die darauf zu entrichtende Steuer, hat also einen realen Minderertrag, weil er weniger als 75 % aufs Konto kriegt. Selbst wenn er das wieder anlegen würde, würde der Zinseffekt in jedem Jahr gnadenlos zuschlagen und massiv (potenzielle) Rendite wegfressen. Aber... Du unterstellst, dass der Anleger die Nettodividende wieder in Allianz-Aktien angelegt hätte. Dann wären aber noch Ordergebühren und/oder andere Kosten abgezogen worden, was den negativen Zinseszinseffekt noch verstärkt. Zudem würden die meisten Leute die Dividenden nicht sofort wieder anlegen, sondern das Geld verkonsumieren oder woanders investieren. Und dann müsste dieses andere Investment auch erstmal 20 % pro Jahr an Rendite erwirtschaften wie Buffett/Berkshire. Das schaffen aber nur wenige Unternehmen, schon gar nicht über 20, 50 oder 60 Jahre, wie Buffett. Also ist Deine Rechnung nur ein theoretisches Beispiel, das in der Praxis wenig Relevanz hat. Mit Buffett/Berkshire wäre man auf Nummer sicher gefahren. Und besser. ;-)
LöschenIch betreue neben meinem eigenen Depot noch einige andere, bei welchen NV-Bescheini-gungen hinterlegt sind, d.h. Steuern sind nicht immer unbedingt ein Thema. Ferner: auch der Berkshire-Aktionär trennt sich mal von Stücken, dann fällt die Steuer auf den aufgelaufenen Gewinn eben in einem "großen Brocken" an.
AntwortenLöschenDas Währungsrisiko auf US-Aktien muss definitiv berücksichtigt werden, aktuell ist der USD recht stark, aber der FX-Kurs kann auch mal wieder Richtung 1.20/1.25 gehen, dann sind schnell 10 - 15% der Performance weg.
Last but not least: In der Tat könnte die Allianz mehr Werte für den Aktionär heben, deshalb gefällt mir auch die Hannover Rück (noch) besser. Diese schüttet auch nicht so viel aus und zeigt bei der TRA in Bloomberg über Jahre hervorragende Werte: 5 Jahre 14.68% p.a. / 10 Jahre 19.12% p.a. / 20 Jahre 16.23% p.a.
Okay, ich will Dir Deine deutschen Versicherungsaktien nicht ausreden. Du hattest mich nach meiner Meinung gefragt und ich finde sie nach wie vor nicht interessant und setze lieber auf ausgewählt US-Wettbewerber.
LöschenKleiner Nachschlag noch zur NV-Bescheinigung: die gilt ja nur bis 1.000 Euro (Kapital-/Zinserträge), das kann/sollte man also nicht in einen Vergleich einrechnen, weil es um die persönliche Steuer- und Vermögenssituation einzelner Anleger geht. Wer ein bisschen mehr Vermögen anzulegen hat als 200.000 Euro reißt die Grenze schnell und dann greift der ganz normale (individuelle) Steuersatz.
Und zu Deinem Verkaufsargument... Ja, wenn man Aktien verkaufen muss, um seinen Lebensunterhalt bezahlen zu können, muss man die aufgelaufenen Kursgewinne versteuern. Ob man nur Berkshire-Aktien oder Allianz-Aktien verkauft. Ist man allerdings in dieser Situation, kommt man auch mit NV-Bescheinigung und weniger als 1.000 Euro an Allianz-Dividenden nicht 12 Monate lang durch und müsste, Deinem Beispiel entsprechend, Allianz-Aktien verkaufen. Was Steuern auf den Kursgewinn auslöst und die künftigen Dividenden verringert...
Hallo Michael,
AntwortenLöschenich bin beim Suchen nach interessanten Aktien über die Northern Data Aktie gestolpert. Die Northern Data Group ist ein Anbieter energieeffizienter High Performance-Computing (HPC)-Infrastruktur für Unternehmen und Forschungseinrichtungen und ist so finde ich in einem sehr spannenden Umfeld unterwegs. Vielleicht ist die Aktie mal in naher Zukunft für dich einen Blick wert. Viele Grüße und vorsorglich bereits an dieser Stelle ein frohes Fest sowie einen guten Rutsch!
Kann nur (erneut) den Hut ziehen; einen echt tollen Blog betreibst du hier!
Moin Heiner,
Löschenvielen Dank für das nette Lob und auch Dir frohes Festtage.
Die Story von Northern Data klingt durchaus interessant, allerdings steht dahinter der umstrittene Investor Christian Angermayer, was für mich per se ein KO-Kriterium ist - unabhängig von den vielen Skandalen, BaFin-Prüfungen, Betrugsvorwürfen. Ob die Kiste dennoch fliegt, kann ich nicht beurteilen, für mich sind es zu viele Red Flags, so dass ich mich lieber woanders umschaue.
Was sagst Du zur Shortseller-Attacke auf Fairfax?
AntwortenLöschenDie Short-Attacke gegen Fairfax Financial scheint wenig Substanz zu haben. Im Grunde geht es um den Vorwurf, man würde Werte von Beteiligungen zu hoch ansetzen, was angesichts der hohen Schwankungen an den Aktienmärkten in den letzten 5 Jahren ein ziemlich beliebiger Vorwurf ist. Carson Block (Muddy Waters) meint, deshalb sei der Buchwert einige Prozentpunkte zu hoch - der Buchwert spielt bei Fairfax Financial aber keine zentrale Rolle (wie auch nicht bei Berkshire Hathaway), sondern die Stärke und Entwicklung des operativen Einkommens, insbesondere des Versicherungsgeschäfts (der 'Float').
LöschenZiemlich notdürftiger Shortversuch, eher enttäuschend. Schon die Attacke gegen Blackstone Mortgage Trust (BXMT) im Dezember lief nach dem selben Muster ab. Enttäuschend. Früher wurden echte Skandale ausgegraben, Betrügereien, wirkliche Bilanzmanipulationen und dann die Aktien (zu Recht) geshortet. Das diente auch der Finanzmarkthygiene. Die jüngsten Attacken sehen eher nach Verzweiflung aus, weil man keine 'richtigen' Shortziele mehr findet.
Der Kurs wird noch etwas angeschlagen bleiben, weil sich kein Anleger ein richtiges Bild machen kann und deshalb 'Short Attacke' wie eine dunkle Wolke über der Aktie hängt. Aber dunkle Wolken ziehen weiter und die Sache ist dann schnell vergessen. Sofern nichts Substanzielles im Argen liegt und das sieht bei Fairfax Financial nicht so aus...
Danke für Deine Antwort, Michael. Sehe ich auch so. Das war wzielich dürftig von MW. Sonnerstag kommen die Q4-Zahlen heraus. Ich denke, das wird ziemlich gut werden...
LöschenDer kurze Kursschock nach der hingestümperten Short-Attacke bei Fairfax Financial ist verdaut, die Zahlen kamen stark rein und gut an. Gut für alle, die sich nicht aus der Akte haben vertreiben lassen...
LöschenHallo Michael, was hältst du eigentlich von der jüngsten Veröffentlichung seitens FS KKR? Insbesondere von den gestiegenen Non-accrual und Non-Income Investments? Beides zusammen über 10 Prozent und bei einem sechsfachen FK-Hebel nicht unerheblich für das Eigenkapital. Immerhin ist das NII auf Jahressicht 2023 leicht gestiegen..Danke.
LöschenVG Robert
Moin Robert,
LöschenFS KKR Capital hat solide Zahlen für das 4. Quartal vorgelegt. FSK tätigte neue Engagements in Höhe von 680 Mio. USD und strich Rückzahlungen in Höhe von 664 Mio. ein. Der Gesamtwert der Investitionen belief sich am 31. Dezember 2023 auf 14,6 Mrd. USD, wovon 66 % in vorrangig besicherte Wertpapiere investiert waren, gegenüber 14,7 Mrd. USD am 30. September 2023. Der Nettoinventarwert lag am 31. Dezember 2023 bei 24,46 USD je Aktie, verglichen mit 24,89 USD Ende September. Die Quartalsdividende wird für 2024 bei mindestens 0,70 USD bleiben. Gegenüber dem Vorjahr steigerte FSK sein Total Investment Income um 12 % und an Liquidität standen Ende 2023 rund 3,9 Mrd. USD zur Verfügung.
Die schlechte Nachricht ist, dass FSK gleich fünf Kreditengagements mit einem kombinierten Anschaffungswert von 654 Mio. USD und einem Marktwert von 422 Mio. USD auf „nonaccrual“ einstufen musste. Dies sind Forderungen, die seit mindestens 90 Tagen nicht mehr bedient wurden. Der Betrag stellt 8,9 % des Portfolios dar bzw. 5,5 % auf Basis aktueller Bewertungen und hat den Markt negativ überrascht. Dabei ist nonacrual nicht mit uneinbringlich zu verwechseln, denn die notleidenden Kredite werden umstrukturiert und/oder die Sicherheiten verwertet. Kurzfristig fallen Zinseinnahmen aus, aber die Einnahmen kommen später und oft in vollem Umfang.
Im Earnings Call hat FSK nachvollziehbar begründet, weshalb die Kredite notleidend sind und was man nun unternehmen wird. Die (erste) Sorge der Anleger, FSK könnte in die "schlechten alten Zeiten" zurückfallen, als man zu hohe Risiken einging und damit zu hohe kreditausfälle in Kauf nahm, stufe ich als übertrieben ein. KKR hat vor sechs Jahren hier das Ruder übernommen und die Kreditqualität deutlich verbessert. Die Ausfälle, insbesondere im durch Corona noch immer gebeutelten Medizintechniksektor sowie bei zwei durch Lohnsteigerungen deutlich negativ betroffenen Unternehmen dürften nicht der Regelfall sein und stellen zudem Belastungen dar, die der gesamten Wirtschaft momentan zu schaffen machen. Es ist also kein FSK-spezifisches Problem und daher ändert sich meine grundsätzlich positive Einschätzung zu FS KKR Capital nicht.
Vielen Dank für die klare Einschätzung.
LöschenAktuell kommt es bei mir im comdirect Depot rückwirkend zu 01.23 bei ARES und zu 01.24 bei FS KKR zu massiven Stornierungen der gezahlten Dividenden wegen Steuern. Ich verstehe das langsam nicht mehr. Für die BDC gelten doch Abgeltungssteuern von 25 % ?
AntwortenLöschenJa, sowas ist extrem nervend. Die comdirect hatte die Dividenden aus einem bestimmten "topf" gebucht und wohl nun festgestellt, dass es sich um einen anderen Topf handelt - also andere interne Konten. Daher die Stornobuchung mit der exakt gleichen Wiedergutschreibung (inkl. gleicher Valuta). Unterm Strich ist nichts passiert, aber es löst natürlich Buchungsaufwand aus - und unnötigen Papierkram. Ich erinnere mich noch mit grausen an die zeit, als ich bei der comdirect ein privates BDC-Dividendendepot geführt habe mit mehreren, teilweise monatlichen Zahlern. Und als dann die Storno- und Wiederbuchungen begannen, teilweise über mehr als zwei Jahre. Ähnliches hab ich damals auch mit L.P.s erlebt (bei der Commerzbank), weshalb ich meine Blackstone- und KKR-Aktien verkauft habe. Ich habe mich hier erst wieder eingekauft, nachdem diese sich in C-Corps gewandelt hatten.
LöschenInsgesamt für den Kunden/Anleger eine extrem unerfreuliche Behandlung. =(
Bitte prüft mal eure Dividendenabrechnungen von Januar für FS KKR. Es gab einmal, so zumindest bei mir geschehen, eine Dividende über 0,64 US-Cent und 0,06 US-Cent am gleichen Buchungstag. Comdirect hat für die beiden Zahlungen 0,70 US-Cent als Steuergrundlage genommen mit dem Erfolg, dass ich 2 mal Steuern auf 0,70 US-Cent bezahlt habe für die 0,64 US-Cent Dividende und 0,06 US-Cent Dividende.
LöschenDas heißt bei den 0,64 US-Cent gab es schon einen guten Abzug an Steuern und bei den 0,06 US-Cent durfte ich sogar Geld mitbringen...
Stimmt. Bei mir wurden auch die 0,06 Cent sowie die 0,64 Cent Ausschüttungen mit einer Besteuerungsgrundlage von beiden Mal 0,70 Cent angesetzt. Mal schauen wie lange es jetzt für die Korrektur braucht....
LöschenDie Banken/Broker haben in ihren AGBs Fristen verankert (6 Wochen?), innerhalb derer man fehlerhaften Abrechnungen/Buchungen widersprechen muss, ansonsten gelten sie als bestätigt. Bei diesen Fehlern würde ich als betroffener Kunde also aktiv werden und der comdirect einen entsprechenden Widerspruch mit Aufforderung zur Korrektur zusenden.
LöschenIn der Korrekturabrechnung schreibt die comdirect was davon das die Abrechnung mit einem falschen Ausschüttungssatz erfolgte und eine Neuabrechnung folgt. Ich warte daher noch ein paar Tage mit dem Widerspruch. Im Sommer 2023 war das gleiche Problem bei FS KKR. Nach 7 Tagen war der korrigierte Betrag gutgeschrieben. Aber Danke für den Hinweis mit dem Widerspruch, die Möglichkeit kannte ich bisher noch nicht.
LöschenBei Flatex wurden die beiden Ausschüttungen zu 0,70 USD zusammengefasst und als eine Zahlung überwiesen. In der Abrechnung wird demzufolge auch nur eine Ausschüttung zu 0,70 USD erwähnt. Insgesamt alles richtig und steuerlich war es auch korrekt.
LöschenIch habe gestern die Korrektur erhalten und heute mal geprüft. Bei mir passt es jetzt und die comdirect hat die beiden Zahlungen ebenfalls zu einer zusammen gefasst.
LöschenIchmuss auch dazu sagen, dass ich das Problem mit der "Doppelbesteuerung" auch nach 1 oder 2 Wochen nach der Zahlung im Januar beanstandet hatte.
Zum Thema mit den 6 Wochen:
Diesen Hinweis kann man auch im Finanzreport auf der letzten Seite unter Punkt 2 "Einwendungen zu Konto- und Depotbuchungen" finden. Dort steht in Fett, dass man innerhalb von 6 Wochen nach Erhalt des Finanzreports Zeit hat, Einwende einzulegen.
Wer also noch keine Korrektur erhalten hat, müsste theoretisch noch bis morgen oder übermorgen Zeit haben, dies zu beanstanden. Ich habe den betreffenden Finanzreport am 02.02.24 erhalten und hätte somit bis zum 15.03.24 Zeit.
Gruß,
Matthias
Kleines Update: Die comdirect hat mir heute die richtigen Beträge wieder eingebucht. Dabei wurde die Dividende auf insgesamt 0,70 Cent zusammengefasst.
LöschenWie schaut das da eigendlich mit dem Freistellungsauftrag aus? Bei der inzwischen stornierten Dividende wurden bei mir die ganzen €1000 in Anspruch genommen. Nach dem Storno ist der verfügbare Freistellungsauftrag auf 0 geblieben.
LöschenHallo Michael, darf ich fragen, wo du aktuell eine Position aufbauen oder ausbauen würdest, wenn du 25.000€ zur freien Verfügung hättest?
AntwortenLöschenGrüße Heiko
Moin Heiko,
Löschendie Frage ist ohne etwas mehr Hintergrundwissen kaum seriös zu beantworten. Ich gehe mal davon aus, dass du das Geld nicht in absehbarer Zeit für was andere benötigst, sondern für mindestens drei Jahre investieren kannst. Auch gehe ich davon aus, dass du nicht auf hohe Dividendeneinnahmen abzielest, sondern auf eine möglichst starke Gesamtrendite (Dividenden plus Kurssteigerungen).
Meine größte Depotposition ist KKR und ich bin davon überzeugt, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich wachsen und dabei seine Profitabilität noch weiter steigern wird. Der Kurs hat im letzten Jahr deutlich zugelegt, aber das ist aus heutiger Sicht völlig unerheblich. Für mich ist KKR mit Blick auf die nächsten drei, fünf, vielleicht zehn Jahre sehr stark positioniert und sehr aussichtsreich. Das sollte sich auch in der Kursentwicklung widerspiegeln, die ich als überdurchschnittlich erwarte. KKR gehört zu den Investments, bei denen ich mich am wohlsten fühle und die dennoch attraktiv bewertet sind.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenDie Deutsche Beteiligungs AG hatte am Freitag einen starken kursrutsch zu verzeichnen. Ursächlich war wohl die Ausgabe einer Wandelschuldverschreibung mit einem Volumen von 100 Mio. Euro.
Diese Wandelanleihen können wohl in Aktien umgewandelt werden und damit die Anteile der Bestandsaktionäre verwässern.
Bei einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 465 Mio. Euro wäre die Verwässerung sogar erheblich.
Wie siehst Du generell solche Maßnahmen und wie bewertet Du es im vorliegenden Fall der DBAG?
Schöne Grüße
Martin
Moin Martin,
Löschendie Deutsche Beteiligung habe ich nicht mehr so intensiv auf dem Schirm, weil ich mich ja bei den Branchenleader KKR, Blackstone, Apollo Global Management stark engagiert habe. Die DBAG hat eine Wandelanleihe über 100 Mio. Euro ausgegeben und beim anfängliche Wandlungspreis von 30,7952 Euro sollte man davon ausgehen, dass die Aktien bis Ende 20230 auch gewandelt werden und damit eine Verwässerung der Bestandsaktionäre eintritt. Bis dahin zahlt die DBAG lediglich 5,5 % an Zinsen, das finde ich durchaus attraktiv (aus Sicht der DBAG). Denn die gegenwärtige Lage in Deutschland ist für Unternehmen ja eher angespannt und der Mittelstand hat zunehmend Probleme, Unternehmensnachfolger zu finden. Daher sind Unternehmen zu durchaus annehmbaren Preisen zu kaufen; die DBAG setzt ja nicht auf Sanierungsfälle, sondern eher mittelständische Champions (in der Halbschwergewichtsklasse). Ich denke, der Vorstand hat einige attraktive Zielunternehmen im Blick, für die er die 100 Mio. Euro und ggf. zusätzliches Fremdkapital einsetzen möchte. Und solange diese Investments am Ende mehr als 5,5 % Rendite einbringen, was die DBAG ja im Durchschnitt der letzten Jahre und Jahrzehnte durchaus geschafft hat, ist das ein gutes Geschäft für das Unternehmen und auch die Aktionäre.
Wer auf die DBAG setzen will und das mit mindestens mittelfristigem Anlagehorizont, dem bietet der jüngste Kurseinbruch eine Kaufgelegenheit.
Hallo Michael,
AntwortenLöschenvielen Dank für deine vielen Beiträge, bin erst Mitte 20 und interessiere mich sehr für Value Investing und versuche nun seit zwei Jahren erste Positionen aufzubauen.
Ich einigen Büchern habe ich gelesen, dass viele Value Investoren sehr konzentriert investieren. Daher die Frage, bei wie vielen Unternehmen bist du laufend investiert oder gibt deine Beobachtungsliste einen ungefähren Überblick.
BG Daniel
Moin Daniel,
Löschenherzlich willkommen auf meinem Blog und "in meiner Welt". ^^
25 Jahre alt... da war ich 1995. Da steuerte ich gerade auf die Gründung meiner GmbH zu (als Immobilienfirma mit zwei Geschäftspartnern), der Biotech-Boom wurde langsam vom Internethype abgelöst und wir Deutschen merkten, dass die den Neuen Bundesländern versprochenen "blühenden Landschaften" keine 5-Jahres-Aufgabe, sondern ein Mehrgenerationenprojekt waren. Ach ja, Russland wurde gerade unser neuer bester Freund, eine ganz andere Welt...
Damals lagen mehrere verheerende Crashs vor mir, aber das wusste ich natürlich nicht. Und es hätte wohl auch nichts geändert. 37 Jahre bin ich nun schon an der Börse aktiv und habe in dieser Zeit viel ausprobiert, viele Fehler gemacht, aber letztlich meinen Investmentstil gefunden, die zu mir passende Strategie.
Dieses Blog ist nun bereits 13 Jahre alt und enthält weit über 1.000 Beiträge und Artikel. Das fördert nicht gerade die Übersichtlichkeit, das ist mir bewusst.
Zu meiner Investmentstrategie und meinen Depotschwergewichten veröffentliche ich vierteljährlich meine "Investor-Updates". Hier dürftest du viele deiner Fragen beantwortet sehen.
Zudem habe ich drei, nein eigentlich vier (oder sogar fünf?) Rubriken geschaffen, in denen ich grundlegende Artikel über das Investieren gesammelt habe: "Grundsätze des Value Investings", "Meine Anlagestrategie", "Vermeide Fehler!" und "Was ist...?". Und auch noch die peinlichste aller Rubriken: "Kissigs Kunstfehler".
Ganz am Ende der Seite findet sich die Label-Übersicht; inzwischen ist die erschlagend umfangreich. Aber vielleicht findest du dort ja noch das eine oder andere Unternehmen oder Thema, das für dich von Interesse ist.
Ansonsten stehe ich gerne für Diskussionen und Fragen zur Verfügung. Das ist ja einer der wesentlichen Gründe, weshalb ich 2011 dieses Blog gestartet habe und es immer noch so gerne füttere.
Ich hoffe, das Value Investing bereitet dir in Zukunft noch sehr viel Freude und sorgt auch in deinem Depot für üppige Renditen. Dabei sind die Anfänge am schwersten und von Rückschlägen sollte man sich nicht aufhalten lassen. Und immer an André Kostolany halten, der sagte: "Ich weiß nicht, wie man schnell reich wird. Aber ich weiß, wie man schnell arm wird. Nämlich, indem man versucht, schnell reich zu werden". Rendite ist Geld x Zeit. Man braucht Geduld. Oder wie Warren Buffett es formulierte: "Erfolgreiches Investieren benötigt Zeit, Disziplin und Geduld. Unabhängig davon, wie groß Dein Talent oder Deine Anstrengungen sind, einige Dinge brauchen einfach Zeit: Man kann kein Kind in einem Monat bekommen, indem man 9 Frauen schwängert".
In diesem Sinne: viel Erfolg und ausreichend Geduld, Daniel. ^^
Hallo Michael,
AntwortenLöschenauf Deiner Beobachtungsliste steht auch der Recycler Befesa. Du hast mit einem ausführlichen Artikel letztmalig am 03.12.2023 über die Aktie berichtet. Hat sich an Deiner Einschätzung an dem Unternehmen mittlerweile grundsätzlich etwas geändert? (Bin investiert und kaufe monatlich über Sparplan zu)
Danke für Deinen tollen Blog und viele Grüße
Matthias
Moin Matthias,
Löschenich habe grundsätzlich weniger auf europäische und deutsche Unternehmen gesetzt, weil die Energiepreise, die Konjunktur, irgendwie alles pro USA und gegen den Rest der Welt lief. Bisher sieht es nicht nach anderen Vorzeichen aus, daher liegt meine Aufmerksamkeit bei "meinen" US-Werten. Im Laufe des Jahres könnte sich das aber möglicherweise wieder ändern. Und auch Befesa ist grundsätzlich in einem interessanten Markt tätig.
Hallo Michael,
Löschenvielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich sehe Befesa auch als interessantes Unternehmen in einem interessanten Markt an und bin daher aus Überzeugung (eine Grundvoraussetzung für ein Aktieninvest) investiert. Ich denke, die Themen Recycling, grüne Energie etc. haben durch die Wahl von Don Trump (Deine Bezeichnung gefällt mir ausgesprochen gut) sicherlich einen heftigen Bremsklotz ans Bein bekommen. Aber langfristig gesehen wird man um diese Themen nicht herumkommen. Daher denke ich, ist man mit Befesa im Recyclingbereich nicht schlecht positioniert oder wie Du in Deinem Artikel vom Dezember 2023 schreibst: "Gefahrstoffe als Burggraben". Dein Fokus auf die USA und dort speziell auf den Finanzsektor (Apollo, Ares, KKR und deren BDC-Töchter) hat sich nach der Wahl von Don T. als absoluter Volltreffer erwiesen. Chapeau für die Weitsicht und den richtigen Riecher! Ich denke, auch bei einer Wahl von Harris wäre dieser Bereich keine schlechte Positionierung gewesen. Vermutlich aber halt ohne so explosionsartige Kursanstiege. Warten wir ab, wie die Aktienwelt nach der heutigen Einsetzung des Don in ein paar Wochen aussieht. Ich werde auf alle Fälle Deinen Block mit Deinen Gedanken, Einschätzungen u.s.w. weiterhin gespannt verfolgen. Viele Grüße Matthias
Lieber Herr Kissing, ich glaube Sie haben die Vertiv Holding nicht mehr im Depot. Trotzdem möchte ich Sie zu der heutigen Situation Fragen. Ist der Absturz vom Allzeithoch in der letzten Woche 149€ auf heute unter 100€ eine Übertreibung? Viele Grüße aus Hannover Mick
AntwortenLöschenVertiv Holding ist ebenso wie viele KI-Werte sehr stark gestiegen, weil die Börse viel Zukunftsfantasie in die Kurse eingepreist hat. Und die ist heute kräftig ausgeatmet worden. Und dennoch ist weiterhin noch reichlich Zukunftsmusik in den Kursen, so dass man nicht von einer fairen oder gar günstigen Bewertung sprechen kann. Ich hatte das am Beispiel von Nvidida mal thematisiert: solange die Zuwachsraten weiterhin so hoch bleiben und die Margen/Gewinne, solange hat die Aktie Raum für Kurssteigerungen. Doch die Börse hat die Zuwachsraten für viele Jahre als gegeben eingepreist - die Amis sprechen von "priced for perfection". Und perfekt ist es nun wohl doch nicht mehr so ganz, weil die chinesische DeepSeek-KI als Open Source zur Verfügung steht und - so wird behauptet - viel effizienter arbeitet, so dass dies die Zweifel schürt, ob die großen KI-Investoren (wie Microsoft usw.) jemals ein profitables Geschäftsmodell mit ihren Milliardeninvestitionen zum Laufen kriegen.
LöschenIch kann das nicht beantworten! Die Zweifel sind da und nachvollziehbar, die Entwicklung gilt es zu beobachten. Und genau das passierte heute durch DeepSeek. Ob die Kurse im KI-Sektor noch deutlicher fallen oder sich bald wieder erholen, kann ich beim besten Willen nicht einschätzen.
Bei der comdirect kann man MAIN irgendwie nicht mehr kaufen. Auch der Sparplan darauf wurde ohne Kommentar einfach gestrichen. Begründung: Es würde sich bei der Aktie plötzlich um einen CEF handeln. Unfassbar.
AntwortenLöschenJa, sowas ist sehr ärgerlich und das trifft mal BDCs, mal REITS und bisweilen "normale" Unternehmen. Entweder es gibt eine neue Einstufung als CEF oder AIF oder es wird behauptet, dass irgendwelche Unterlagen seitens des Unternehmens nicht vorliegen würden. Aktien haben in Deutschland (und Europa) keine Lobby, jedenfalls keine schlagkräftige, die solche Anlegerdrangsalierungen mal wirksam angehen und abstellen würde.
LöschenMir scheint das aber eher ein "comdirect Problem" zu sein. Bei der consorsbank kann ich weiterhin MAIN kaufen und als Sparplan besparen. Und so wandert ein weiterer Sparplan von mir von der comdirect zur consorsbank. Eigentlich schade, da ich ich bereits seit 15 Jahren dort Kunde bin und mit der comdirect bisher sehr zufrieden war.
LöschenIch spekuliere, dass Comerzbank (Deutschland) und Consorsbank (Frankreich) unterschiedliche Datenlieferanten haben.
LöschenIch würde mal ein paar Zeilen an MAIN mailen und die Situation schildern, vielleicht passiert danach was. In einer ähnlichen Situation hatte ich schon Erfolg.
Hallo Mike, deine BDC Empfehlung Midcap Financial hat aktuell Zahlen zum 4. Quartal 2024 herausgegeben. Die Aktie ist daraufhin etwas abgesackt. Kannst du uns hier bitte deine Einschätzung geben? Danke und herzliche Grüße vom Bodensee Christoph
AntwortenLöschenMoin Christoph,
Löschenich hab beim Überfliegen der Midcap Financial-Zahlen nichts Besorgniserregendes entdeckt. Ggü. dem 30.09. ist das Net Investment Income 0,44 auf 0,40 USD je Aktie gefallen, der NAV ging von 15,10 USD je Aktie auf 14,98 zurück und der Gewinn je Aktie von 0,31 auf 0,26 USD. Wer nicht tiefer drin steckt, könnte hier Probleme wittern. Aber... die Kreditausfälle halten sich in Grenzen und der Rückgang der Kennzahlen dürfte vor allem darauf basieren, das MFIC ja die beiden CEF (Closed End Funds) Apollo Senior Floating Rate Fund Inc. (AFT) und dem Apollo Tactical Income Fund Inc. (AIF) übernommen und überwiegend mit Aktien bezahlt hat. Die CEFs spielen weniger Rendite ein und daher sinkt der Gewinn je Aktie - erstmal. Denn MFIC will ja die alten CEF-Investments aussortieren und dann die freien Mittel in Unternehmenskredite investieren. Das geht aber nicht sofort und wird einige Zeit die Ergebnisse niedriger aussehen lassen als möglich. Für 2025 bedeutet dies, dass der Vergleich mit dem Vorjahr immer nach einem deutlichen Rückgang aussieht, also einem Misserfolg oder Problemen, obwohl dies nicht der Fall ist. Und das kann jeweils den Kurs belasten, weil die meisten Anleger nur oberflächlich auf die Ergebnisse schauen, dann ggf. den Kursrutsch sehen und schlussfolgern, hier läge was im Argen. und auch verkaufen.
Als Langfristanleger kann man aber entspannt bleiben und ggf. sogar über ein Aufstocken nachdenken. Denn bei MFIC entsteht auf diese Art zusätzliches Gewinnpotenzial, da die alten niedriger rentierenden Investments der beiden CEFs in die höher verzinsten BDC-Kredite umgewandelt werden. Jedenfalls mit der Zeit, denn MFIC will ja keinesfalls die Kreditrisiken erhöhen und bleibt daher wählerisch bei seinen Kreditvergaben...
Guten Abend Mike, danke für Deine Einschätzung. Den Rückgang habe ich auch mit der Abwicklung der CEF in Verbindung gebracht...die Vermutung wird von dir ja bestätigt. Wenn der Kurs noch etwas absackt, stocke ich als Langfristinvestment eventuell tatsächlich nochmals etwas auf. Die Dividende bleibt ja wohl (vorläufig) konstant. Danke für deinen TOP-Blog und eine erfolgreiche Börsenwoche vollends, Gruß Christoph
LöschenHallo Mike, komme nochmals auf deine Einschätzung zu Midcap zurück. Als Langfristanleger sollte man ja über Aufstockung nachdenken. Der Kurs liegt heute bei 11,40 Euro bis 11,50 Euro (gestern schwacher Tag und heute zusätzlich Ex-Dividende). Glaubst du, dass Don Trump den Kurs noch weiter "runterprügelt" oder siehst du hier bereits ein attraktives Aufstockungsniveau (oder für "Neulinge" Einstiegsniveau) auf lange Sicht? Danke für deine Einschätzung, viele Grüße Christoph
LöschenMoin Christoph,
Löschendie Angst vor einer Rezession in den USA nimmt deutlich zu und damit verschlechtern sich die Aussichten der Mittelstandsfinanzierer. Denn deren Portfoliounternehmen dürften es schwerer haben, gute Geschäfte zu machen und damit sinkt ihre Fähigkeit, üppige Zinsen für ihre Kredite zu bezahlen. Und damit steigt das Ausfallrisiko für die Kreditgeber. Es kann hier bei den BDCs also zu zu NAV-Abwertungen und sogar Dividendenkürzungen kommen.
Diese Überlegungen drücken momentan die Kurse (neben der Dollarschwäche). BDCs mit Umstrukturierungs-Knowhow dürften einen Vorteil haben und daher die Töchter von Finanzinvestoren wie KKR oder Blackstone oder Apollo. Auch die kommen nicht schadlos durch eine Rezession, aber sie überstehen sie besser und mit weniger Blessuren.
Grundsätzlich liegt die Bewertung des BDC-Sektors nun wieder unter seinem langfristigen Durchschnitt. Andererseits würden Gewinnrevisionen diesen Effekt zumindest teilweise kompensieren. Für einen breit angelegten Einstieg in BDCs dürfte es noch zu früh sein, aber man kann sich gut auf die Lauer legen für das eine oder andere Schnäppchen.
Hallo Mike, herzlichen Dank für deine Einschätzung. Bin eigentlich erst durch dich auf die Apollo-Tochter gestoßen. Ansonsten halte ich noch Blackstone Secured Lending in diesem Bereich. Hab mich entschieden, bei beiden ein Körbchen zwecks Aufstockung aufzustellen, Midcap bei 10,75 Euro, Blackstone bei 28,20 Euro. Und werde mich hoffentlich in zehn Jahren über die Entscheidung freuen (und bis dahin (hoffentlich) viermal jährlich eine schöne Dividende einnehmen). Danke für den tollen Blog und vor allem auch für die Zeit, welche du deinen Lesern widmest. Viele Grüße Christoph
LöschenHallo Michael. Vielen Dank erstmal für den ganzen tollen Content den du hier mit uns teilst!
AntwortenLöschenIch freue mich über jeden neuen Artikel.
Heute ist Opendoors unter 1€ gefallen. Wie schätzt du momentan die Situation für den Wert ein?
Außerdem die Frage ob du dein US Anteil im Depot aktiv reduzierst oder ihn verwässerst indem du neue Käufe dementsprechend tätigst.
Liebe Grüße, Sven
Moin Sven,
Löschenbei Opendoor bin ich ja bereits vor vielen Monaten ausgestiegen, weil sich die Erholung am US-Immobilienmarkt nicht eingestellt hat, wie mein Investmentcase vorsah. Die Zinsen sind weiterhin zu hoch, als dass sich das Transaktionsvolumen deutlich beleben würde und das ist für Opendoor der Dreh- und Angelpunkt. Aktuell sieht es aber nicht nach deutlicher Verbesserung aus, daher bleibe ich bei Opendoor weiterhin lieber als Beobachter außen vor. Wenn sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessern, dann wird Opendoor wieder sehr interessant.
Und was den US-Anteil in meinem Depot betrifft... Der lag bei rund 90 % und ich habe ihn in den letzten Wochen reduziert, um einige deutsche Nebenwerte aufzunehmen mit starken Perspektiven. Deutsche Werte stellen nun etwa ein Drittel - allerdings hat auch die sehr starke Kursentwicklung von Rheinmetall (und der Rückgang bei den US-Werten) dazu beigetragen, so dass Rheinmetall als Spitzenreiter nun beinahe 15 % meines Depots ausmacht.
Ich bedanke mich!
LöschenHi Michael,
Löschendu schreibst, dass deutsche Werte mittlerweile einen 30% -Anteil in deinem Depot einnehmen. Ich bin stark in deinem Quality-Wiki investiert, da dies deinem Depot am nächsten kommt (laut deiner Aussage...;-))). Leider sehe ich diese Entwicklung im Wiki gar nicht, was performanceseitig sicherlich einiges gekostet hat. Kannst du mich/uns hier kurz aufklären?
Danke für den tollen Blog.
Viele Grüße, Basti
Moin Basti,
Löschenmeine vier Wikis sind Themen-Wikis, daher korrelieren die nicht immer oder manchmal auch wenig mit meinem Depot. Richtig ist, dass das Quality Investing-Wiki meinem Depot am nächsten kommt. Und auch dort habe ich vor einigen Monaten bei Rheinmetall zugegriffen und der Wert steht mit einem Plus von 120% an der Spitze - mit 18% Gewichtung ist die sogar höher als in meinem Depot, wo es "nur" 15% sind.
Ich habe im privaten Depot ein bisschen Geld in Deutsche Nebenwerte gesteckt - teilweise aber auch zyklische Unternehmen und solche gehören nicht in das Quality Wiki. Im Grunde müsste man, wenn man dem folgen will, ein bisschen Geld in mein Nebenwerte-Wiki stecken, denn dort dominieren die deutschen Nebenwerte.
Eine 1:1-Abbildung meines Depots bietet keines der Wikis. Und auch meine Quartalsübersicht in Form meiner Investor-Updates nicht. Ob das Quality-Wiki schlechter als mein Depot abgeschnitten hat, kann ich nicht genau sagen. Mein Depot ist von +8% Mitte Januar auf -7% Mitte März gefallen, also satte 15% Minus. Ich denke, das Quality-Wiki liegt auch in diesem Bereich (wobei dort ja noch die Provisionen für Wikifolio usw. anfallen und KEINE Dividenden für US-Aktien gutgeschrieben werden).
Hi Michael,
LöschenDanke für deine Antwort und die Erklärung. Leider hatte ich die Rheinmetall-Position übersehen. Sorry; war mein Fehler. Viele Grüße, Sebastian