Mittwoch, 11. März 2026

Kissigs Kloogschieterei: Der Öl-Krieg(er)

Der Kampf ums Öl ist wieder voll entbrannt. Trump greift den Iran an, um dessen Regime zu beseitigen, weil dieses weiterhin nach der Atombombe strebe. Einen Regimewechsel in Teheran ist nicht das oberste Ziel, aber Mittel zum Zweck. Ein Nebeneffekt dabei ist… China. Denn über 90% des iranischen Öls fließt ins Reich der Mitte.

Erst vor zwei Monaten hatte Trump Venezuelas Staatschef Maduro in seine Gewalt gebracht und die neue venezolanische Führung ging auf Schmusekur – deren Öl fließt inzwischen Richtung USA. Und inzwischen auch ein bisschen nach Indien, um dort russisches Öl zu ersetzen.

Russland wiederum droht nun, Westeuropa den Öl- und Gashahn völlig abzudrehen – was die EU selbst bereits anpeilt, aber eben nicht sofort. Putin versucht händeringend sein Öl an den Mann zu bringen und das klappt vor allem in China. Und der Iran? Der reagiert auf den Angriff Israels und der USA nicht nur mit Gegenattacken auf diese beiden und US-Stützpunkte in der Region, sondern nimmt ganz gezielt arabische Nachbarstaaten unter Feuer. Und dort deren Öl-Produktion. Zudem erklärte der Iran die Sperrung der Straße von Hormus, durch die täglich zwischen 17 bis 20 Mio. Barrel Rohöl, Kondensate und Ölprodukte geschifft werden und damit 20% bis 30% des weltweiten täglichen Ölbedarfs.

Die großen Förderländer am Persischen Golf Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sind auf diesen Seeweg angewiesen. Und auch LNG ist tangiert, Europas erhoffte Alternative zu russischem Erdgas, denn etwa 20% des weltweiten Flüssigerdgases werden durch die Meerenge verschifft, insbesondere aus Katar. Katar musste seine Produktion stoppen, da die Anlagen von Iran angegriffen wurden. Iran will so die Energiemärkte preisschocken, um Druck auf die USA zu erzeugen. Doch zunächst trifft man China, denn größter Abnehmer von Katars LNG sind die Chinesen.

Panikmacher sprechen von Ölpreisen von 150 USD je Barrel oder werfen gleich 200 USD in den Raum. Das trifft auf fruchtbaren Boden und nachdem der Ölpreis seine zweitstärkste Tagesschwankung aller Zeiten hingelegt hat (nur während des Corona-Crashs war es noch mehr), liegen die Nerven blank. Aktuell muss man für Öl (WTI) wieder um die 85 USD bezahlen, was immer noch deutlich höher ist, als vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Kein schlechter Zeitpunkt, um sich mal die Fakten anzusehen. Und so hat Torsten Slok von Apollo Global Management mal die Auswirkungen eines anhaltenden Ölpreises auf die US-Wirtschaft bei 100 USD (WTI) dargelegt, die auf Modellen der Fed basieren:
  • Inflationsrate +0,7%
  • Kerninflationsrate +0,1
  • Arbeitslosenrate +0,1%
  • BIP -0,1%
Nicht unerheblich, aber auch nicht wirklich heftig. Bei 150 USD oder gar 200 USD je Barrel sähe die Sache natürlich komplett anders aus.

Mein Fazit

Im Kampf ums Öl gibt es mehr als einen säbelrasselnden Warlord und alle halten die Lunte ans Pulverfass. Europa sitzt – wieder einmal – zwischen den Stühlen. Man spielt keine militärische Rolle, keine politische und man ist auf Energielieferungen angewiesen, weil man selbst kaum welche hat. Der Leidensdruck nimmt zu, weil die Industrie wegen der hohen Preise bereits abwandert. Aber noch ist er nicht hoch genug, als dass er strukturelle Veränderungen erzeugen würde. Aber das kommt noch.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte soeben, die vollständige Abkehr von der Atomenergie sei ein "straegischer Fehler" gewesen und müssen korrigiert werden. Insbesondere Deutschland hat hier den Stecker gezogen unter Bundeskanzlerin Angela Merkel - und von der Leyen war damals Mitglied in deren Kabinett und entschiedene Befürworterin des Atom-Ausstiegs. Doch "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, klüger zu werden", sagte einst Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der war übrigens nicht nur weise, sondern Mitglied der CDU - wie auch Merkel, von der Leyen und der amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz. Ob aus der Erkenntnis auch ein Umdenken und dann Umschwenken wird? Kaum vorstellbar, denn Merz regiert nicht alleine, sondern mit der SPD, die unter ihrem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in dessen Rot-Grüner-Koalition einst den Atom-Ausstieg eingeleitet hat - und sklavisch daran festhält. Das  jüngste Landtagswahlergebnis mit magersüchtigen 5,5% scheinen da auch nichts zu bewegen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...

Alles Gute für euer Geld!
Michael C. Kissig

Disclaimer: Habe Apollo Global auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.

Börsenweisheit des Tages | 11.03.2026

"Wirtschaftswissenschaften sind die einzige Disziplin, in der in jedem Jahr auf dieselben Fragen andere Antworten richtig sind."
(Danny Kaye)

Dienstag, 10. März 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 10.03.2000 markierte die Börse ein neues Rekordhoch, bevor die Dotcom-Blase platzte und die Börsen in den Abgrund riss. Und eine ganze Generation zu Losern machte...

Der 10.03.2000 markierte einen symbolischen Höhepunkt der modernen Börsengeschichte. An diesem Tag erreichte der Technologieindex NASDAQ Composite mit rund 5.048 Punkten ein neues Allzeithoch. In den Jahren zuvor hatte eine außergewöhnliche Börsenrally eingesetzt, die vor allem von Technologie- und Internetunternehmen getragen wurde. Investoren glaubten an eine neue Ära wirtschaftlichen Wachstums, die durch das Internet ausgelöst werden sollte. Die Erwartungen waren enorm, die Bewertungen vieler Unternehmen stiegen in zuvor kaum vorstellbare Höhen. Doch nur kurze Zeit nach diesem historischen Höchststand begann eine dramatische Kurskorrektur, die schließlich zum Platzen der Dotcom-Blase führte. Und innerhalb von gut zwei Jahren verlor der NASDAQ 100 fast vier Fünftel seines Wertes.

Das Entstehen und das Platzen dieser Spekulationsblase zählen bis heute zu den eindrucksvollsten Beispielen für die Dynamik von Finanzmärkten, technologischer Innovation und wirtschaftlicher Euphorie. Und obwohl so viel aus den damaligen Fehlern zu lernen ist, wird bereits die nächste Spekulationsblase aufgepumpt - der Mensch kann einfach nicht die Finger davon lassen...

Börsenweisheit des Tages | 10.03.2026

"Ich glaube nicht, dass man schnell ein herausragender Investor werden kann, genauso wenig wie man schnell ein herausragender Knochentumor-Pathologe werden könnte. Es braucht einige Erfahrung und deshalb ist es hilfreich, sehr früh damit zu beginnen."
(Charlie Munger)

Montag, 9. März 2026

Börsenweisheit des Tages | 09.03.2026

"Die einzigen Dinge, die aus Chaos resultieren, sind Chancen."
(Daniel Loeb)

Sonntag, 8. März 2026

Wochenrückblick 10/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Palantir, Comfort Systems, SoFi, KKR, Apollo. Finanz- und Energiewerte waren top - und natürlich Costco...

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung...

Börsenweisheit des Tages | 08.03.2026

"Wenn ein CEO gierig auf einen Deal ist, wird es ihm nie an Prognosen mangeln, die den Kauf rechtfertigen."
(Warren Buffett)

Samstag, 7. März 2026

Kissigs Beobachtungsliste

Meine Beobachtungsliste ist eine Anregung. Sie enthält Aktien, die ich für langfristig interessant und aussichtsreich halte und hier im Blog begleite. Trotz vieler Überschneidungen ist sie weder identisch mit meinem Investmentdepot noch mit meinen Wikis und sie ist auch kein Musterdepot.

Sie enthält deutsche Aktien, vor allem Nebenwerte, die internationalen Aktien werden von US-Werten dominiert, es gibt BDCs und REITs, Turnaround-Spekulationen, FinTech-Engagements sowie Royalty-Plays. Inzwischen haben sich hier Tenbagger angesammelt, viele Verdoppler, aber einige Werte liegen auch deutlich zweistellig im Minus. Da ist von jedem und für jeden was dabei...

Börsenweisheit des Tages | 07.03.2026

"Risiken zu bewerten ist ein dynamischer Prozess und einer, den wir permanent kalibrieren."
(Daniel Loeb)

Freitag, 6. März 2026

Kissigs Nebenwerte-Analyse: Secunet Security Networks schützt kritische Infrastruktur - mit und gegen KI

Im Magazin "Der Nebenwerte Investor" von Traderfox finden sich regelmäßig Analysen von mir zu deutschen Nebenwerten. Das Magazin ist kostenpflichtig und wer dieses oder eine der weiteren Börsenzeitschriften von Traderfox bestellen möchte, gelangt ▶ hier zur Übersicht. Mehrwert für die Leser meines Blogs: Nach Erscheinen des Magazins darf ich meine Nebenwerte-Analysen dann auch hier veröffentlichen.


Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 05/2026 vom 25.02.2026

Aktien in dieser Ausgabe: Ionos, Nemetschek, Secunet Security Networks

Börsenweisheit des Tages | 06.03.2026

"Du wirst nicht dafür belohnt, Risiken einzugehen. Du wirst dafür belohnt, günstige Vermögenswerte einzukaufen."
(Jeremy Grantham)

Donnerstag, 5. März 2026

Börsenweisheit des Tages | 05.03.2026

"Marktextreme tauchen auf, wenn es kurzfristig zu teuer wird etwas langfristig zu halten."
(David Einhorn)

Mittwoch, 4. März 2026

Börsenweisheit des Tages | 04.03.2026

"Kümmere dich nicht um die Investments, die du nicht gemacht hast. Vielmehr solltest du dich um die Investments kümmern, die du gemacht hast, aber nicht hättest machen sollen."
(Martin Whitman)

Dienstag, 3. März 2026

Börsenweisheit des Tages | 03.03.2026

"Seit Beginn der industriellen Revolution hat sich das Downstream-Investieren als smartere Strategie erwiesen: in Unternehmen investieren, die von der neuen Technologie profitieren anstatt in die Technologieunternehmen selbst."
(Ralph Wanger)

Montag, 2. März 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 02.03.2009 verbuchte der Versicherungskonzern AIG den höchsten Quartalsverlust aller Zeiten. Seine Pleite heizte die Globale Finanzkrise weiter an

Am 02.03.2009 veröffentlichte der US-amerikanische Versicherungskonzern American International Group (AIG) seine Zahlen für das vierte Quartal 2008 – und schockierte die Finanzwelt. Mit einem Quartalsverlust von 61,7 Milliarden Dollar meldete das Unternehmen den bis dahin größten Verlust in der Geschichte der US-Wirtschaft. Die Dimension der Schieflage zwang die US-Regierung, den Konzern mit insgesamt rund 180 Milliarden Dollar zu stabilisieren, um den Meltdown des globalen Finanzsystems abzuwenden.

Der Fall AIG wurde zu einem der zentralen Lehrstücke der globalen Finanzkrise und offenbarte die Risiken eines Versicherungsriesen, der sich weit über sein traditionelles Geschäftsmodell hinaus in den Schattenbankensektor vorgewagt hatte und durch seine Gier und Selbstüberschätzung nicht nur sich selbst, seine Aktionäre und Gläubiger, sondern ganze Staaten mit an den Rand des Abgrund brachte - und darüber hinaus...

Börsenweisheit des Tages | 02.03.2026

"Aus meiner Sicht ist man als Investor besser dran, wenn man viel über wenige Investments weiß, als wenig über viele Firmen zu wissen."
(Seth Klarman)

Sonntag, 1. März 2026

Börsenweisheit des Tages | 01.03.2026

"Eine Aktie hat nur dann richtiges Potenzial, wenn die meisten denken, dass sie gar kein Potenzial hat."
(Ken Fisher)

Samstag, 28. Februar 2026

Wochenrückblick 09/2026: Meine stärksten Kurstreiber im Depot waren Almonty, KKR, Apollo Global, LendingClub und SoFi. Finanzwerte floppten, Rohstoffaktien rockten...

Die Top-Werte meines Investmentdepots veröffentliche ich jeweils zum Quartalsende in meinen Investor-Updates und meine Beobachtungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

Ergänzend gebe ich heute eine kurze Übersicht zu den Werten, die in der letzten Woche mein Investmentdepot am stärksten bewegt haben. Dabei geht es um alte Bekannte und neue Liebschaften. Und es gibt die eine oder andere Überraschung...

Börsenweisheit des Tages | 28.02.2026

"Über lange Zeiträume werden starke Geschäftsentwicklungen zu starken Investmententwicklungen."
(Bill Ruane)

Freitag, 27. Februar 2026

Kissigs Nebenwerte-Analyse zu Nemetschek: Make Bausoftware sexy again

Im Magazin "Der Nebenwerte Investor" von Traderfox finden sich regelmäßig Analysen von mir zu deutschen Nebenwerten. Das Magazin ist kostenpflichtig und wer dieses oder eine der weiteren Börsenzeitschriften von Traderfox bestellen möchte, gelangt ▶ hier zur Übersicht. Mehrwert für die Leser meines Blogs: Nach Erscheinen des Magazins darf ich meine Nebenwerte-Analysen dann auch hier veröffentlichen.


Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 05/2026 vom 25.02.2026

Aktien in dieser Ausgabe: Ionos, Nemetschek, Secunet Security Networks

Börsenweisheit des Tages | 27.02.2026

"Manchmal sind die besten Performer in Deinem Portfolio jene Aktien, die Du bereits sehr lange Zeit besitzt."
(Daniel Loeb)

Donnerstag, 26. Februar 2026

Kissigs Börsengeschichte(n): Am 26.02.1995 ging die Barings Bank Bankrott, nachdem der Derivatehändler Nick Leeson 1,4 Milliarden Dollar der "Bank der Queen" verzockt hatte

Am 26.02.1995 ging die traditionsreiche britische Investmentbank Barings Bank spektakulär bankrott. Ursache waren massive Fehlspekulationen und systematische Manipulationen ihres Derivatehändlers Nick Leeson in Singapur. Der Zusammenbruch gilt bis heute als einer der folgenreichsten Fälle von Kontrollversagen in der modernen Finanzgeschichte. Er offenbarte nicht nur die Risiken des damals expandierenden Derivatehandels, sondern auch gravierende Schwächen in der internen Governance selbst renommierter Finanzinstitute.

Dass es gerade die altehrwürdige Barings Bank traf, die den inoffiziellen Titel "die Bank der Queen" trug, birgt dabei schon Züge von Ironie...

Börsenweisheit des Tages | 26.02.2026

"Ein Schnäppchen, das ein Schnäppchen bleibt, ist kein Schnäppchen."
(Martin Whitman)