
Im Rahmen meiner Kooperation mit dem 'Aktien Report' von Armin Brack nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen und Themen vor. Die Ausgaben des 'Aktien Reports' und/oder 'Geld Anlage Reports' erreichen ihre Leser samstags kostenlos und 'druckfrisch' per Email und man kann sich ▶ hier beim 'Geld Anlage Report' anmelden. Bonbon für die Leser meines Blogs: einige Tage später darf ich die Artikel dann auch hier veröffentlichen.
Die Magnificent 7 wanken – deshalb sind Amazon und Microsoft meine Favoriten
Nur knapp anderthalb Monate hat Donald Trump gebraucht, um die Börsen gegen die Wand fahren zu lassen. Seine erratische Wirtschafts-, Zoll- und Außenpolitik lässt Regierungen und Börsen beben und sorgt neben einer – von ihm gewollten – Schwächung des Dollars für massive Vertrauensverluste. Und wie jeder (andere) weiß, ist die Psychologie der gewichtigste Einflussfaktor auf Wirtschaft und Börsen. Denn wenn sich die Menschen sorgen, kaufen sie nicht, sondern halten ihr Geld zusammen.
Bei Einschätzungen wie "dieses Mal ist alles anderes" sollte man stets vorsichtig sein, denn meistens ist es das nicht. Aber dieses Mal schon. Denn der starke Bullenmarkt der letzten Jahre war zuletzt eigentlich nur noch von den sogenannten "Magnificent Seven" getragen worden, also Alphabet, Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft, Nvidia und Tesla. Ohne deren starke Kurszuwächse hätte der S&P 500 Index in 2024 mit einer Nullnummer abgeschlossen. Anders ausgedrückt: die 493 übrigen S&P 500-Werte brachten Anlegern keinen Gewinn, trotz des Börsenbooms. Natürlich gilt das nur für alle als Gruppe, denn einzelne Aktien haben durchaus stark abgeschnitten, aber dafür haben andere sogar erhebliche Verluste eingefahren. Der entscheidende Punkt ist, dass die Mag 7 die Performance trieben und damit auch die Konzentration innerhalb des Index. Ihre Gewichtung ist massiv angestiegen und mit Apple, Nvidia und Microsoft haben zwischenzeitlich sogar drei dieser Unternehmen die magische Marke von 3 Billionen USD bei der Marktkapitalisierung überschritten.
Diese Outperformance hat sich in den letzten beiden Jahren massiv erhöht, denn seitdem hat der S&P 500 seinen "gleichgewichteten" Bruder um 30 % abgehängt. Mit anderen Worten: würden alle 500 Werte stets gleichgewichtet in die Indexentwicklung einfließen, hätte der S&P 500 deutlich weniger stark zugelegt als es durch die Outperformance seiner Schwergewichte der Fall war.
Aber auch das ist noch nicht die ganze Geschichte.
Die Mag 7 sind nicht nur im S&P 500 Index hoch gewichtet, sondern auch in den populärsten Börsenindizes, wie dem MSCI World. US-Aktien stellen rund die Hälfte des globalen Aktienmarktes im Volumen von 135 Billionen USD, China kommt auf 15,6 Billionen, die EU auf 15,0 Billionen. Daher dominieren die Mag 7 nicht nur in den USA. Und das hat große Bedeutung, denn immer mehr Menschen investieren passiv; sie kaufen also keine Aktien, sondern legen ihr Geld in ETFs an.
Aber auch bei diesen Indexfonds picken sich die Anleger natürlich die vermeintlich attraktivsten heraus und das sind gewöhnlich die, die in den letzten Jahren die beste Performance aufzuweisen hatten. Die Hausse nährt die Hausse, heißt es, denn wenn die Börsen steigen, fließt immer mehr Geld in die Börsen. Bis die Stimmung kippt. Und genau das ist passiert.
Die Mag 7 wurden als Direktinvestments immer stärker gesucht und gleichzeitig flossen mehr Anlegergelder in ETFs, die auf genau die Indizes setzten, in denen die Mag 7 am höchsten gewichtet waren. Zudem gehören die Mag 7 zu den Unternehmen mit den stärksten Cashflows und kaufen für Milliardenbeträge eigene Aktien zurück. Allein Apple wendet hierfür 100 Mrd. USD pro Jahr auf! Diese Faktoren zusammen haben das Kursfeuerwerk bei den Mag 7 – und den US-Börsen – immer weiter befeuert.
Doch dieselben Effekte wirken auch beim Abschwung!
Die Börsenstimmung hat gedreht und die Anleger ziehen Geld aus Aktien und ETFs. Also zuvorderst aus den Mag 7, denn dort steckt es und damit haben die Anleger in den letzten Jahren ihre Gewinne erzielt. Diese Gewinne wollen sie jetzt „in Sicherheit bringen“, als würde die Börse so funktionieren. Egal, der Anlegergeist tickt so und daher wird es so gemacht.
(Endlich) die erwartete Sektorrotation!?
Erschwerend kommt hinzu, dass beim bisherigen Treiber immer lauter die Sinnfrage gestellt wird: kann man mit KI wirklich Geld verdienen? Die Antwort hierauf sind die KI-Profiteure bislang schuldig und das belastet die Entwicklung. Und nachdem die Technologieaktien mehr als 15 Jahre lang die klassischen Werte, die auch als Value Aktien bezeichnet werden, ausgestochen haben, könnte hier nun ein Wachwechsel bevorstehen. Auch dies könnte zusätzlichen Druck auf die Kurse der Mag 7 auslösen.
Für Anleger bedeutet diese Gemengelage eine Herausforderung. Sollen sie dem aktuell vorherrschenden Trend folgen und in Value Aktien umschichten? Oder sollen sie ihrer Angst folgen und lieber ihre Aktien und ETFs verkaufen – um sie irgendwann später wieder günstiger zurückkaufen zu können?
Um es klar zu sagen: auf keine dieser Fragen gibt es eine Antwort! Nicht heute, nicht jetzt. Nur in der Rückschau wird man wissen, was die richtige Entscheidung gewesen wäre. Aber keine Angst, das ist keine neue Erkenntnis, sondern Basiswissen für jeden Börsianer. Basiswissen, das schnell wieder vergessen wird und das in emotional herausfordernden Situationen völlig ignoriert wird. Wenn Angst oder Gier regieren, starrt alles auf die Kurse und glaubt jedem dahergelaufenen Möchtegernpropheten. Aber auch die wissen nichts über die Zukunft.
Die Börse ist kein Spiel der Gewissheiten, sondern der Wahrscheinlichkeiten!
Das muss man verstehen und wenn man dies einmal begriffen hat, fällt die Schlussfolgerung leicht: man muss auf die Werte setzen, bei denen sich ein positives Chance-Risiko-Verhältnis ergibt. Und je länger man ihnen Zeit gibt, desto besser stehen die Chancen, dass sich das Investment auszahlt.
Und unter dieser Prämisse stechen zwei Unternehmen aus den Magnificent 7 heraus, bei denen das Chance-Risiko-Verhältnis besonders attraktiv erscheint und damit die Wahrscheinlichkeit starker Renditen in den nächsten Jahren höher liegt als andernorts.
Amazon
Amazon ist zum Dominator im Einzelhandel geworden und konnte jüngst sogar umsatzseitig den bisherigen globalen Marktführer Walmart überflügeln. Dabei hat man inzwischen drei Bereiche auf 100 Mrd. USD Jahresumsatz entwickelt: das Handelsgeschäft kam in 2024 auf 247 Mrd. USD, das Plattformgeschäft auf 156 Mrd. und Amazon Web Services (AWS) auf 108 Mrd. Doch damit nicht genug, auch Advertising und Prime wachsen zweistellig und erreichten 56 bzw. 44 Mrd. USD Umsatz.
Werfen wir einen genaueren Blick auf die Zahlen: Die Umsätze legten im 4. Quartal 2024 um 10 % auf 187,8 Mrd. USD zu, wobei die global führende Cloudsparte AWS im Jahresvergleich um 19 % auf 28,8 Mrd. wuchs bei einem Betriebsergebnis von 10,6 Mrd. USD; die EBIT-Marge liegt bei sehr starken 37 % und macht AWS zur Cashcow im Amazon-Konzern. 2014 lag der Umsatz noch bei 1,8 Mrd. USD und ist mit durchschnittlich 37 % pro Jahr gewachsen. Mit einer "annualisierten Runrate" von 118 Mrd. USD erzielt AWS auf Standalone-Basis mehr Umsatz als 486 der S&P 500-Unternehmen.
Im Gesamtjahr 2024 verbuchte Amazon 633 Mrd. USD an Umsätzen. 247 Mrd. davon entfielen auf den Onlinehandel und generierten seit 2014 eine durchschnittliche Wachstumsrate (CAGR) von 13,7 %. Zweitgrößter Brocken sind die Third-Party-Seller mit 156 Mrd. USD Umsatz bei 29,5 % CAGR vor AWS mit 108 Mrd. USD und einer CAGR von 36,9 %. Auf Platz vier folgt Advertising, wo Amazon stark wächst und Google und Facebook immer näher kommt; 2024 verbuchte Amazon hier 56 Mrd. USD Umsatz bei einer CAGR von 34,8 %. Die Subscription Services (Prime) steuern 44 Mrd. USD zum Umsatz bei und wachsen seit 2014 mit einer CAGR von 32 % und das Schlusslicht bilden die physischen Stores mit 21 Mrd. USD und einer CAGR von 20,3 %. Amazon wächst also weiter stark und das mit zunehmender Profitabilität. So erhöhte sich das operative Ergebnis in Q4/24 um mehr als 60 % auf 21,2 Mrd. USD und der Nettogewinn verdoppelte sich annähernd auf 20,0 Mrd. USD, während der Gewinn je Aktie im Vergleich zum 4. Quartal 2023 um 86 % auf 1,86 USD wuchs.
![]() |
Quelle: wallstreet-online.de |
Was vom Cashflow nach Investitionen übrig bleibt, ist der Free Cashflow, und dieser steht für Aktienrückkäufe und Dividenden zur Verfügung. Amazons Free Cashflow stieg in den letzten 12 Monaten um 4 % auf 38,2 Mrd. USD, was kaum Begeisterungsstürme auslöst, insbesondere angesichts der angekündigten KI-Investitionsoffensive. Und doch bahnt sich genau hier eine außergewöhnliche Chance an: Während die KI-Investitionen (noch) hoch sind und weiter steigen, kann Amazon die Investitionen in anderen Bereichen bereits heute deutlich reduzieren, ohne Einbußen hinnehmen zu müssen. Man reduziert die physischen Stores, man hat die großen Anfangsinvestitionen im Bereich Logistik hinter sich (und ist hinter USPS in den USA längst unangefochtener zweitgrößter Logistikanbieter und zwar meilenweit vor FedEx und UPS).
Die aktuellen 38,2 Mrd. USD an Free Cashflow könnten in den nächsten Jahren auf 100 Mrd. USD pro Jahr anwachsen - eine Größenordnung, in der sich aktuell Apple oder Alphabet bewegen. Zwei Unternehmen, die immer mehr eigene Aktien zurückkaufen. Diese Perspektiven könnten auch bei Amazon kräftig den Kurs antreiben, denn bisher ist Amazon hier eher zurückhaltend.
All diese Faktoren zusammen machen die Amazon-Aktie zum Top-Pick im Warenkorb!
Microsoft
Das 1975 gegründete Unternehmen ist der größte Softwarehersteller der Welt. Vor zehn Jahren hat Satya Nadella den glücklosen Steve Ballmer auf dem Chefsessel von Microsoft ersetzt und mit ihm kehrte der Erfolg zurück. Er gab das Motto "cloud first, mobile first" vor, das seitdem gelebt wird und so wurde aus Microsoft viel mehr als der frühere Windows- und Office-Konzern: Azure ist nach Amazons AWS der weltweit größte Anbieter von Cloud-Diensten und eine der Cashcows von Microsoft, die Gaming-Sparte wächst stark auch ohne die Spielekonsole Xbox, die Surface-Computer sind ein Erfolgsgarant, im Bereich Cybersecurity ist Microsoft einer der führenden Anbieter. Zudem spielt man beim Thema Künstliche Intelligenz eine führende Rolle mit dem von OpenAI entwickelten ChatGPT und integriert KI in eine Vielzahl seiner Anwendungen.
Stärke zahlt sich aus
Im 2. Quartal 2024/2025, das am 31.12.2024 endete, konnte Microsoft seinem Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 % Prozent auf 69,632 Mrd. USD steigern. Das Nettoergebnis wuchs um 10 % auf 24,108 Mrd. bzw. 3,23 USD je Aktie.
Im größten Geschäftsbereich More Personal Computing, der das Geschäft mit Windows-Betriebssystemen, der Xbox Spielkonsole, Surface Laptops und Suchmaschinenwerbung (Bing) umfasst, verzeichnete Microsoft einen weitgehend unveränderten Umsatz von 14,651 Mrd. USD. Die Erlöse im Productivity und Business Processes Segment (Office, Exchange, Dynamics und LinkedIn) kletterten um 14 % auf 29,437 Mrd. USD, während das Intelligent Cloud Segment rund um Azure, Windows Server, Visual Studio und SQL Server sowie GitHub mit um 19 % gesteigerten Erlöse von 25,544 Mrd. USD glänzen konnte.
![]() |
Quelle: wallstreet-online.de |
Dank seiner breiten Aufstellung und mehreren Anwendungen, auf die kaum jemand verzichten kann, gelingt es Microsoft hohe Margen durchzusetzen und Produktinnovationen relativ einfach unters Volk zu bringen. Das zeigt sich auch wieder im Bereich KI, wo man im Gegensatz zur Konkurrenz wenig Werbeaufwand betreiben muss, da man die (potenziellen) Kunden bereits hat. Hohe Kundenbindung und hohe Wechselkosten sind einer der wertvollsten Burggräben, die ein Unternehmen errichten kann!
Mein Fazit
Die Börsen taumeln und die Kurse der Mag 7 trifft es dabei besonders hart – sie müssen den vorangegangenen starken Kurszuwächsen Tribut zollen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass sich die operativen Aussichten nicht so stark eingetrübt haben wie die Stimmungslage der Börsianer.
Sowohl Amazon als auch Microsoft können zur Not schnell einen erheblichen Teil ihrer KI-Investitionen runterfahren, sollte sich hier das erwartete Wachstum nicht einstellen oder die Profitabilität ausbleiben. Da beide Unternehmen gewaltige Cashflows generieren, wäre dies eher als ein kurzes Stolpern in den Bilanzen zu verzeichnen und nicht als anhaltender Einbruch. Beide Unternehmen können ihren Cashflow auch anderweitig nutzen – Firmenzukäufe zur Stärkung wachstumsstarker Geschäftsfelder ist nur eine Möglichkeit, Dividenden und vor allem erhöhte Aktienrückkäufe eine andere.
"Jeder künftige Markteinbruch fühlt sich wie ein Risiko an; jeder vorangegangene Markteinbruch sieht nach einer Chance aus."(Tom Gardner, Co-Gründer von The Motley Fool)
Wer nicht auf kurzfristige Kursgewinne aus ist, sondern sich in wachstumsstarke Qualitätsunternehmen einkaufen will, deren Cashflows und Gewinne in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich weiter deutlich zulegen werden, dürfte mit den beiden Cloud-Weltmarktführern Amazon und Microsoft bestens bedient sein. Und wenn man weiß, dass die Unternehmen ihren Wert weiter steigern, kann man auch zwischenzeitliche Kursturbulenzen relativ entspannt aussitzen.
Möge die Rendite mit euch sein!
Euer Börsenbarde
Michael C. Kissig
Disclaimer: Habe Alphabet, Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft, Nvidia auf meiner Beobachtungsliste und/oder im Depot/Wiki.
Interessant das du gerade die beiden (wie im Space auch schon Amazon) erwähnst. Amazon hatte ich aufgestockt und nutze den Rücksetzer auch wieder um den Sparplan zu starten. Warum? Prime. Als Primekunde will ich den Service nicht mehr missen. Und Alternativen gibts in Deutschland zumindest keine. Ein echter Burggraben. Und die Logistik muss man erstmal nachbauen. Dann noch das Prime Video mit Sportevents als Zugabe. Die Cloud/AWS gibts on Top und Amazon will auch einen Satellitenservice aufbauen wie Starlink. Wenn es jemand kann, dann eben Amazon. Und jeden Service können sie mit Prime verknüpfen und das ganze noch attraktiver machen.
AntwortenLöschen